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21 mal so viel für Gewaltschutz und Gleichstellung

Mittwoch, 21. März 2018 - 13:00

Hintergrundinfos zur Kampagne der Allianz "Gewaltfrei leben"

Vor der Budgetrede ließen Vertreterinnen der Allianz "Gewaltfrei leben"  21 Luftballons mit Forderungen in den Himmel steigen. Jeder Luftballon steht dabei symbolisch für 10 Millionen: Denn 210 Millionen Euro und somit das 21fache des derzeitigen Budgets des Frauenministeriums sind gefordert um Gewaltschutz- und Gleichstellungsmaßnahmen effektiv umzusetzen! Die Allianz "Gewaltfrei leben", der auch der Österreichische Frauenring angehört, ist ein Zusammenschluss von über 30 Opferschtz und Zivilgesellschaftsorganisationen.

Wieso 210 Millionen Euro?

Das Referat zur Bewertung des europäischen Mehrwerts bezifferte im Jahr 2011 die Kosten, die innerhalb der EU durch geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen verursacht wurden, auf 228 Milliarden Euro. Das entspricht 1,8 % des EU-BIP oder 450 € pro EU-BürgerIn jährlich! In Österreich sind demnach Kosten von ca. 3,7 Milliarden Euro durch geschlechtsspezifische Gewalt entstanden.

Lediglich 25 € pro ÖsterreicherIn und somit 5,5 % der verursachten Kosten pro Person, sollten in Präventionsarbeit investiert werden. Deshalb werden für Gleichstellungs- und Gewaltschutzmaßnahmen 210 Million Euro gefordert, auch um langfristig volkswirtschaftliche Kosten reduzieren zu können.

Warum mehr Geld für Gleichstellung?

Die Forderung nach einer Budget-Erhöhung für Maßnahmen zur Herstellung einer tatsächlichen Geschlechtergleichstellung ist nicht neu – seit Jahrzehnten setzen sich Frauenorganisationen dafür ein. Mit der Ratifizierung der Istanbul-Konvention hat sich Österreich zur Umsetzung umfassender Gewaltschutzmaßnahmen verpflichtet. 2016 wurde Österreich durch ein internationales ExpertInnenkommittee (GREVIO) evaluiert. Seit September nun liegen die Empfehlungen des ExpertInnenkommittees schon vor – und sie untermauern die Forderung nach einer Erhöhung der finanziellen Mittel. 

Effektiver Gewaltschutz kann nicht losgelöst von der Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit umgesetzt werden. Das Ministerium für Frauen, Familien und Jugend, das für die Umsetzung der Istanbul Konvention in Österreich zuständig ist, verfügt bisher über ein jährliches Budget von nur 10 Millionen Euro für Maßnahmen zur Gewaltprävention und Gleichstellung. Dieser Betrag ist viel zu niedrig. Die minimale Budgetierung von 10 Millionen Euro erlaubt keinen flächendeckenden Zugang zu Beratungsstellen, Frauenhäusern und anderen Hilfseinrichtungen. Es fehlen ausreichende Mittel zur Präventionsarbeit, Datenerhebung und der Erarbeitung von Handlungsempfehlungen und Gesetzesevaluierungen.

Am 21. März 2018 präsentiert der Finanzminister im Nationalrat das Doppelbudget für die Jahre 2018/19. Ein sichtbares Bekenntnis der neu gewählten Regierung zu Gleichstellung und Gewaltprävention wäre nun wichtiger denn je!

Ohne angemessene finanzielle und personelle Mittel wird es nicht möglich sein, Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt zu reduzieren bzw. diesen Formen von Gewalt vorzubeugen! Nicht zuletzt die hohen Folgekosten, die Gewalt gegen Frauen jährlich verursacht, machen eine Investition in Gewaltprävention immens wichtig.

Wofür braucht es Geld?

Auf den 21 Luftballons, die die Allianz Gewaltfrei leben in den Himmel steigen lässt, sind einige der zentralen Maßnahmen zu Gewaltschutz und Gleichstellung festgehalten, deren ausreichende Finanzierung nur durch eine Budgeterhöhung möglich sind. Dazu zählen:

1. Nationaler Aktionsplan gegen Gewalt: Um Frauen und Kinder besser vor Gewalt zu schützen, braucht es eine umfangreiche und langfristig angelegte Gesamtstrategie, die alle Formen der Gewalt gegen Frauen und Kinder miteinbezieht.

2. Gewaltprävention: Damit es gar nicht erst zu Gewalt kommt, muss intensiv in Gewaltprävention investiert werden.

3. Sensibilisierte Justiz: Opferschutzorganisationen bieten regelmäßig bewusstseinsbildende Schulungen u.a. für Polizeibeamt_innen und Richter_innen an, damit auch diese Anzeichen von Gewalt erkennen und lernen, wie sie mit Betroffenen umgehen sollen.

4. Sichere Unterkünfte: Gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder brauchen Räume, in denen sie im Fall schnell und unkompliziert Schutz finden!

5. Familienfreundliche Hilfe: Kinder und Jugendliche sind von häuslicher Gewalt immer mitbetroffen. Entsprechende Ressourcen für eine familienfreundliche Unterstützung müssen bereit gestellt werden.

6. Einrichtungen in ländlichen Gebieten: Außerhalb von größeren Städten gibt es oft nach wie vor keine Beratungseinrichtungen für gewaltbetroffene Frauen und Kinder.

7. Zugang für ALLE Frauen: Rechtliche und praktische Hürden müssen beseitigt werden, damit ALLE in Österreich lebenden Frauen und Kinder Beratungs- und Schutzeinrichtungen aufsuchen können.

8. Dolmetscher_innen: Nicht nur deutschsprachige Frauen erfahren Gewalt, daher braucht es Ressourcen für Dolmetscher_innen um Beratung in anderen Sprachen anbieten zu können.

9. Kostenlose Therapieplätze: Gewalterfahrung kann schwer traumatisieren; nicht alle Betroffenen von Gewalt haben aber derzeit die Möglichkeit ihre Erfahrungen in einem geschützten Raum aufzuarbeiten  – ein Ausbau der Therapieplätze ist dringend nötig!

10. Spezifische Beratungsangebote: Nicht alle Frauen und Mädchen von derselben Gewalt und Diskriminierung betroffen. Es braucht spezialisierte Angebote für Frauen mit unterschiedlichen Gewalterfahrungen (etwa migrantische Frauen, Frauen mit Behinderungen, sowie lesbische Frauen, transgender Frauen, u.v.m.)

11. Opferschutzorientierte Täterarbeit: Damit ist die Arbeit mit Tätern gemeint, die Gewalt gegen die Partnerin oder Ex-Partnerin, ausüben, um die Gewalttätigkeit nachhaltig zu beenden.

12. Mehr Daten: Handlungsstrategien brauchen Datengrundlage. Die Finanzierung entsprechender geschlechtersensibler Forschungsprojekte zum Thema ist daher unverzichtbar!

13. Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten: Für die Arbeit zu Gewaltprävention-, schutz und Gleichstellung braucht es qualitativ hochwertige Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Fachpersonal!

14. Vernetzung: Die Vernetzung und der Austausch von Expert_innen untereinander brauchen Raum, Infrastruktur und Ressourcen.

15. Fachtagungen und Konferenzen: Im Rahmen von Fachtagungen und Konferenzen können sich Expert_innen aus dem Gebiet miteinander austauschen und voneinander lernen.

16. Internationale Zusammenarbeit: Gewalt gegen Frauen ist ein globales Problem. Durch internationalen Austausch können gemeinsam Strategien verglichen, weiterentwickelt und Best Practice-Modelle erarbeitet werden.

17. Infomaterial: Unterlagen (wie Broschüren, Flyer etc.) sind wichtig, damit Betroffene von Gewalt über ihre Möglichkeiten Bescheid wissen und eine breite Öffentlichkeit sensibilisiert werden kann.

18. Workshops in Schulen: Gewaltprävention sollte möglichst früh ansetzen – Workshops mit Schüler_innen zu den Themen Gleichstellung und Gewaltschutz sind deshalb unverzichtbar.

19. Macht teilen: Gewalt an Frauen ist untrennbar mit ungleichen Machtverhältnissen in der Gesellschaft verknüpft. Es braucht eine breites politisches Bekenntnis zu einer wirksamen Gleichstellungspolitik.

20. Einkommensschere schließen: Im EU-weiten Vergleich hat Österreich einen der größten Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen. Ökonomische Unabhängigkeit ist eine Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben.

21. Laufende Kampagnen: Mit Filmen, Plakaten, Spots, Inseraten etc. muss kontinuierlich auf Geschlechterungleichheit und Gewalt an Frauen und Kindern aufmerksam gemacht werden.

Die Liste ließe sich noch erweitern – die unterschiedlichen Forderungen der Allianz zeigen, wie vielfältig die Arbeit auf diesem Gebiet ist. Dass nach wie vor ein nicht zu unterschätzender Anteil dieser Arbeit auf ehrenamtlicher Basis beruht bzw. drastisch unterfinanziert ist, ist nicht vertretbar angesichts der vorliegenden Daten zur Gewaltbetroffenheit.

 

21 mal so viel - für Gewaltschutz und Gleichstellung

Freitag, 16. März 2018 - 9:45

Aktion der Allianz "Gewaltfrei leben"

Die Allianz "Gewaltfrei leben", ein Zusammenschluss von über 30 Opferschtz und Zivilgesellschaftsorganisationen, der auch der Österreichische Frauenring angehört, macht sich für eine Erhöhung der Gelder für Frauen- und Gleichstellungsagenden stark. Ihre Forderung: 210 Millionen Euro und damit 21mal so viel wie das bisherige Budget des Frauenministeriums. Mit derzeit jährlich nur 10 Millionen Euro für Gewaltschutz und Gleichstellung sind diese so wichtigen Bereiche drastisch unterfinanziert! Die Forderung nach einer Aufstockung des Budgets wird durch die ausdrückliche Empfehlung des GREVIO-Expertinnenkomitees des Europarats zur österreichischen Umsetzung der Istanbul Konvention unterstützt.

Jede fünfte Frau in Österreich ist mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von körperlicher und/oder sexueller Gewalt. Jede dritte der in Österreich lebenden Frauen ist von sexueller Belästigung betroffen. Jährlich werden 20-25 Frauen durch ihre eigenen (Ex-)Partner  oder Familienmitglieder ermordet. Diese Zahlen machen deutlich: Gewaltschutz und  Gleichstellung dürfen nicht länger minimal budgetiert werden!

Vor der Budgetrede im Nationalrat ließ die Allianz "Gewaltfrei leben" 21 Luftballons vor dem Bundeskanzleramt in den Himmel steigen; jeder dieser Luftballons steht für 10 Millionen Euro. Darauf standen einige zentrale Maßnahmen zu Gewaltschutz und Gleichstellung, deren effektive Umsetzung nur durch eine Budgeterhöhung möglich ist. "Wenn wir Gewalt gegen Frauen und Mädchen beenden wollen, müssen wir in  Schulungen, Workshops und Infomaterialien investieren und die  Beratungsangebote und Notunterkünfte ausbauen", so Rosa Logar, eine Vertreterin der Allianz. Gleichstellungspolitik braucht außerdem eine breitere Erhebung spezifischer Daten und die Möglichkeit zur (inter)nationalen Vernetzung.

 
Mehr Informationen zur Aktion und der Allianz "Gewaltfrei leben"

Gerne können die Bilder unter Nennung der Fotografin (Sarah Zublasing) verwendet werden!

 

Die Allianz "Gewaltfrei leben" vor dem Bundeskanzleramt
21 Luftballons mit Forderungen

Der Gender Pay Gap ist kein Mythos!

Mittwoch, 14. März 2018 - 12:00

Offener Leserinnenbrief des Frauenrings

Sehr geehrter Herr Ortner, sehr geehrte Redaktion!

Als ‚Fake News‘ und ‚widerstandsfähigen Mythos in einer postfaktischen Welt‘ - so bezeichnet der Kolumnist und Autor Christian Ortner den Gender Pay Gap jüngst in der Tageszeitung „Die Presse“. Der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen von 20,1 Prozent, der im EU-Vergleich auf Basis der durchschnittlichen Bruttostundenverdienste der unselbständig Beschäftigten in der Privatwirtschaft ermittelt wird, sei schlichtweg falsch, da verschiedene Faktoren (wie z.B. die Berufsbranche) nicht berücksichtigt werden. Eine Erkenntnis, die bereits 2012 zwei „Profil“-Journalisten zu einer „Aufdecker“-Geschichte inspirierte („Löhne: Die Wahrheit über die Ungleichheit“).

Dass es sich beim Gender Pay Gap um ein Täuschungsmanöver von Frauenpolitikerinnen und Interessenvertretungen handelt, ist natürlich nach wie vor Unsinn und damit der eigentlich widerstandsfähige Mythos, der offensichtlich immer noch in manchen Redaktionen kursiert.

Statistik 1 x 1

Es ist ein alter Hut: Für die Ermittlung von Lohnunterschieden zwischen den Geschlechtern existieren verschiedene Berechnungsmethoden. Frauen arbeiten in Österreich etwa deutlich häufiger in Teilzeit als Männer, sie sind überproportional in Niedriglohnsparten vertreten und unterbrechen ihre Berufskarriere aufgrund von Pflege- und Erziehungsarbeit häufiger und länger als Männer. Diese Faktoren wirken sich selbstverständlich auf die Einkommenshöhe aus. Doch selbst wenn zusätzliche Aspekte wie Schulbildung, Berufserfahrung und Familienstand berücksichtigt werden, bleibt in Studien ein unerklärlicher Gender Pay Gap. Eine Detail-Analyse der Statistik Austria (Oaxaca-Blinder-Dekomposition) ermittelte für das Jahr 2014 etwa 8,6 Prozentpunkte geschlechterspezifischen Lohnunterschied, der sich durch Einflussfaktoren wie Branche und Stundenausmaß erklären ließ; 13,6 Prozentpunkte blieben hingegen unerklärt.

Gut bezahlter Mechaniker, schlecht bezahlte Kindergartenpädagogin

Und auch wenn die Berufsbranche Lohnunterschiede erklärt: Es bleibt die ungerechte Bewertung von Arbeit, die dringend hinterfragt werden muss. Gerade Tätigkeiten im Bereich der Kindererziehung und in der Pflege, die überwiegend von Frauen ausgeführt werden, sind anstrengend und mit viel Verantwortung verbunden – jedoch gering entlohnt. Hinzu kommen Kollektivverträge, die von geschlechterspezifischen Vorstellungen von „gleichwertiger“ Arbeit geprägt sind und somit Ungleichheiten aufweisen.

Unbezahlte Arbeit ist weiblich

Der wohl größte Faktor angesichts ungleicher Löhne und Pensionen bleibt die unbezahlte Arbeit: Diese wird auch im Jahr 2018 in Österreich noch immer überwiegend von Frauen erledigt – die Folge ist nicht nur eine Teilzeitquote von fast 50 Prozent bei Frauen, sondern auch ein eklatanter Gender Pension Gap von rund 40 Prozent, der viele Frauen in die Altersarmut führt (was sich durch die letzte Pensionsreform künftig noch verschärfen wird).

Rolle der Medien

Angesichts der strukturellen Ungerechtigkeiten könnten JournalistInnen sich – anstatt einfach „Fake News“ zu schreien – alternativ mit starren Rollenbildern und verbesserungswürdigen Einkommensberichten beschäftigen, nach positiven Beispielen aus anderen Ländern suchen und ExpertInnen zum Thema befragen.

Mit besten Grüßen,
Sonja Ablinger
Vorsitzende des Frauenrings

ALLE STIMMEN FÜR FRAUEN*! OBR-Vienna 2018, 14.2., 18:30, Platz der Menschenrechte

Freitag, 2. Februar 2018 - 1:00

OBRA-Pressekonferenz

Montag, 12. Februar 2018, 10:00
Dschungel Wien
, Bühne 1 (MuseumsQuartier, Museumsplatz 1, 1070 Wien)

Am Podium: Bundesrätin Ewa Dziedzic (Sprecherin der Grünen Frauen Österreich), Brigitte Hornyik (Österreichischer Frauenring), Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ-Frauensprecherin und Frauenvorsitzende), Lena Jäger (Projektleitung Frauen*Volksbegehren 2.0), Corinne Eckenstein (Leitung Dschungel Wien), Aiko Kazuko Kurosaki (Künstlerische Leitung OBRA).

One Billion Rising Vienna 2018: ALLE STIMMEN FÜR FRAUEN*!

Am Mittwoch, 14. 2., findet bereits zum sechsten Mal in Folge One Billion Rising Vienna statt. Das Motto lautet ALLE STIMMEN FÜR FRAUEN*! - weil 2018 ein wichtiges Jahr für Frauen* in Österreich ist: 100 Jahre Frauenwahlrecht, 40 Jahre 2. Frauenbewegung und das Frauen* Volksbegehren 2.0. Die Veranstaltung, organisiert vom Verein One Billion Rising Austria, wird 2018 erstmalig am Platz der Menschenrechte, MQ – 1070 Wien, abgehalten.

Diesmal sind die Anti Fascist Ballet School, Eloui, EsRAP, OMAS GEGEN RECHTS, starsky u. v. a. mit dabei. Moderation: Natalie Assmann. Das detaillierte Programm finden Sie unter: https://1billionrising.at/rising-vienna/rising-2018/   

One Billion Rising ist eine getanzte Kundgebung für ein Ende der Gewalt an Frauen* und Mädchen*. Die globale Kampagne wurde 2012 als Reaktion auf diese Zahlen ins Leben gerufen: 1 von 3 Frauen* weltweit ist von Gewalt betroffen. Das Herzstück der Kampagne, der Tanz zum Song „Break the Chain“, wird am 14. 2., dem V-Day, von zigtausenden Menschen weltweit getanzt.

Kostenlose OBRA-Tanzworkshops im Vorfeld

Mehrere OBRA-Tanzworkshops mit der Künstlerischen Leitung Aiko Kazuko Kurosaki haben bereits stattgefunden, es gibt noch weitere Termine. Alle Informationen unter: www.1billionrising.at/category/news-termine/termine

 

Rückfragen und Kontakt

Mechthild Geyer, Verein OBRA – One Billion Rising Austria
Mobil: +43 (0) 650/34 03 109 / E-Mail: presse [at] 1billionrising.at
www.1billionrising.at
ZVR: 552291969

Frauenring fordert Rücktritt von Udo Landbauer

Freitag, 26. Januar 2018 - 22:00

Der Österreichische Frauenring ist zutiefst erschüttert über den Inhalt eines Liederbuchs, welches bei der Burschenschaft Germania aufgetaucht ist. Dieser Text ist nicht nur rassistisch, antisemitisch, reaktionär, deutschnational und widerwärtig, sondern er ist als Aufruf zum Massenmord zu verstehen.

Aus unserer historischen Vergangenheit wissen wir, dass verbaler Gewalt konkrete Gewalttaten folgen können.

Gerade im großen Gedenkjahr von 100 Jahre Republik Österreich, 100 Jahre Frauenwahlrecht und 80 Jahre nach dem „Anschluss“ im Jahr 1938 ist es umso trauriger, dass Rechtsextremismus in Österreich wieder „salonfähig“ geworden ist und österreichische PolitikerInnen eine Wiederbelebung der NS-Ideologie vorantreiben.

Der Frauenring steht für ein respektvolles und friedliches Miteinander und ist entschieden gegen jede Form der Diskriminierung, gegen Gewalt, Xenophobie und Rechtsextremismus -  daher fordern wir Udo Landbauer zum Rücktritt auf.

 

Frauenring kritisiert geplante Rückkehr von Peter Pilz

Mittwoch, 17. Januar 2018 - 2:15

Nachdem im November vergangenen Jahres Anschuldigungen der sexuellen Belästigung publik wurden, entschloss sich Peter Pilz dazu, sein Nationalratsmandat nicht anzunehmen. Vor wenigen Tagen machte er dies rückgängig.

Der Frauenring ist befremdet: Peter Pilz tritt vom Rücktritt zurück. Seit er im November zurückgetreten ist, hat er zu den Anschuldigungen vor allem mit 'er könne sich nicht erinnern' reagiert. Nun also folgt der Rücktritt vom Rücktritt, aber eine klare Stellungnahme zu den Vorwürfen der sexuellen Belästigung fehlt nach wie vor. Einige Wochen nach seinem Rücktritt hat der sich selbst so nennende "ältere, mächtige Mann", der meinte, er sei "politisch kein besonders korrekter Mensch und es wahrscheinlich auch nimmer wird", nun doch wieder entschieden in den Nationalrat einzuziehen. Peter Pilz scheint nichts dazugelernt, sondern eher nichts verstanden zu haben.

Die unter dem Hashtag #metoo geführte Debatte über sexuelle Übergriffe hat die sexistischen Strukturen in unserer Gesellschaft erneut sichtbar gemacht.  Als Österreichs größte Frauendachorganisation arbeiten wir an einer grundlegenden Veränderung der gesellschaftlichen Machtgefälle. Das setzt auch ein verändertes Bewusstsein aller, vor allem aber politisch engagierter Personen, von PolitikerInnen, voraus. 

PolitikerInnen sind nicht nur am Strafrecht zu messen. Ihr Handeln hat auch Signalwirkung: Wem Frauenpolitik und Geschlechtergerechtigkeit wichtige Anliegen sind, kann es nicht hinnehmen, dass Personen, denen sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden, und die dies auch nicht ausdrücklich dementiert haben, weiterhin politische oder gesellschaftliche Machtpositionen einnehmen. Das hat gerade für VolksvertreterInnen mit dem “Wahrnehmen von Verantwortung zu tun”.

Sozialabbau und frauenpolitische Leerstellen: Frauenring kritisiert Regierungsprogramm

Freitag, 12. Januar 2018 - 1:45

Der Österreichische Frauenring kritisiert das Regierungsprogramm der Schwarz-Blauen Koalition und schließt sich den Protesten am Samstag in Wien an. „Insbesondere die Kürzungspläne im Sozialsystem werden Frauen besonders hart treffen. Frauen verrichten einen Großteil der unbezahlten Arbeit und verdienen somit auch weniger – wer Sozialabbau betreibt, tut das auf dem Rücken der Frauen“, sagt Sonja Ablinger, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings.

„Die antifeministische Linie zieht sich durch das gesamte Regierungsprogramm: Der Familienbonus ist für besserverdienende Frauen ein Anreiz, zu Hause zu bleiben während niedrigverdienende Alleinerzieherinnen leer ausgehen. Die Sozialkürzungen verschärfen Armut, von der Frauen immer stärker betroffen sind als Männer“, sagt Ewa Dziedzic von den Grünen Frauen Österreich.

„Das Regierungsprogramm würdigt die Verdienste der Frauen in ihrer Rolle als Mütter. Die Unterhaltssicherung für Alleinerziehende wurde hingegen nicht beschlossen - mehr Taten als Worte, bitte“, sagt Brigitte Hornyik vom Verein österreichischer Juristinnen.

„2018 begehen wir 40 Jahre Frauenhäuser und noch immer sind sie nicht ausreichend finanziert. Es fehlen mehr als 100 Plätze und jährlich müssen über 300 Frauen und deren Kinder abgewiesen werden. Die Türkis-Blaue Regierung erwähnt zwar den Ausbau, vermeidet aber das Wort Frauenhäuser, stattdessen liest man von Notunterkünften im Regierungsprogramm. Österreich hat die Istanbulkonvention ratifiziert und sich verpflichtet jeder gewaltbetroffen Frau Schutz und Sicherheit zu garantieren. Wir brauchen keine Frauenhäuser light“, sagt Maria Rösslhumer vom Verein Autonomer Österreichischer Frauenhäuser.

Frauen kommen im Regierungsprogramm insgesamt hauptsächlich als Mütter oder als Frauen mit Migratonshintergrund vor – die bei der Integration und Gewaltprävention angesprochen werden. Gewaltprävention wird vor allem im Zusammenhang mit Integration behandelt und mit Ausbau von Werteschulungen. „Sexuelle Gewalt ist nicht ‚eingewandert’, sondern hat mit Machtgefälle, Sexismus und ökonomischer Abhängigkeit zu tun“, sagt Sonja Ablinger.

Dem Österreichischen Frauenring gehören mehr als 40 Mitgliedsorganisationen an, die als Interessenvertretungen fungieren sowie wichtige Beratungs- und Öffentlichkeitsarbeit leisten. „In Oberösterreich wurden Frauenorganisationen kurz vor Weihnachten von der Landesregierung Fördergelder gestrichen. Wie fordern die Bundesregierung dazu auf, die unerlässliche Arbeit der Frauenorganisationen, die vom Gewaltschutz bis zur Mädchenförderung reicht, finanziell weiterhin abzusichern. Österreich kann es sich nicht leisten, in Gleichstellungsrankings noch weiter abzurutschen“, so Sonja Ablinger abschließend.

Subventionskürzungen stoppen!

Mittwoch, 10. Januar 2018 - 8:00

Offener Brief an den oberösterreichischen Landeshauptmann

Sehr geehrter Herr Mag. Stelzer,

kurz vor Weihnachten hat der Frauenring erfahren, dass die öffentlichen Subventionen einiger Frauenberatungsstellen durch die oberösterreichische Landesregierung gekürzt und zum Teil sogar zur Gänze gestrichen werden sollen. Die Einrichtungen maiz – autonomes zentrum von & für migrantinnen*, FIFTITU% – Vernetzungs- und Beratungsstelle für Frauen* in Kunst und Kultur in Oberösterreich und Arge SIE – Beratung und Wohnen für wohnungslose Frauen wurden etwa über eine gänzliche Streichung der Förderung durch das Frauenreferat des Landes Oberösterreich informiert.

Als Dachorganisation österreichischer Frauenvereine erachtet der Frauenring diese Form der Kürzung bzw. Streichung finanzieller Mittel als äußerst bedenklich!
Die spezifische Arbeit von Frauenberatungsstellen im Bereich des Gewaltschutzes, sowie in der Beratung, Bildung und Information leistet einen wesentlichen Beitrag zur Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit.

Frauenberatungsstellen sind als nicht-profitorientierte Organisationen auf Förderungen aus öffentlicher Hand angewiesen, um ihre wichtige Arbeit leisten zu können. Die Reduzierung oder Streichung von Fördermitteln bedeutet unweigerlich eine Reduktion von Angeboten und Öffnungszeiten oder gar das Wegfallen spezifischer Angebote – gerade angesichts eines steigenden Beratungsbedarfs gilt es solchen Entwicklungen entgegenzuhalten!

Als Mitglied der Allianz GewaltFREI leben ist es dem Frauenring zudem ein Anliegen auf die Umsetzung der Europarat-Konvention zur Bekämpfung und Verhinderung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt in Österreich hinzuweisen. Österreich hat die Konvention 2013 ratifiziert. Zu den im offiziellen Evaluierungsbericht der Konvention empfohlenen Maßnahmen des Europarat-Komitees zählt unter anderem die langfristige und adäquate Finanzierung von Frauen- und Gewaltschutzeinrichtungen.

Der Frauenring fordert daher die oberösterreichische Landesregierung dazu auf von sozialen Kürzungen, die Frauen auf besondere Weise negativ treffen, abzusehen und die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen, die die Arbeit von Beratungseinrichtungen sichern!

Hochachtungsvoll,

Sonja Ablinger    
Vorsitzende

 

Frauenpolitik: Schwarz-Blau auf Retro-Kurs

Montag, 18. Dezember 2017 - 3:15

Pflege, Erziehung, Ehrenamt – in diesen Bereichen möchte die Regierung Frauen gerne vertreten wissen, wie das Kapitel „Frauen“ des aktuellen Regierungsprogrammes offenbart. Die „Verschiedenheit von Mann und Frau zu kennen und anzuerkennen“ ist für die Schwarz-Blaue Koalition gar „ein Bestandteil menschlichen Lebens und damit unantastbar mit der Würde des Menschen verbunden“.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar – aber sicher nicht an das Geschlecht geknüpft. Seit Jahrzehnten kämpft die Frauenbewegung dagegen an, dass das Geschlecht über den Lebensentwurf von Menschen entscheidet – und ÖVP und FPÖ erklären dies nun vollmundig zum staatlichen Leitprinzip“, sagt Sonja Ablinger, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings.

Frauen kommen im Regierungsprogramm insgesamt hauptsächlich als Mütter vor oder als Frauen mit Migratonshintergrund – die bei der Integration und Gewaltprävention angesprochen werden. Gewaltprävention wird vor allem im Zusammenhang mit Integration behandelt und mit Ausbau von Werteschulungen. „Sexuelle Gewalt ist", so Ablinger, „nicht ‚eingewandert’, sondern hat mit Machtgefälle, Sexismus und ökonomischer Abhängigkeit zu tun.“ Man verkennt die Ursachen, wenn Gewaltschutz auf Migration fokussiert.

Auch das Familienbild der Regierung verweigert sich den gesellschaftlichen Realitäten, wie sich bei der Formulierung zeigt, die Familie sei „eine gemeinsame Aufgabe von Frau und Mann“. „Vor wenigen Wochen hat der Verfassungsgerichtshof den Weg für die Ehe für alle freigegeben – und Regenbogenfamilien sind in Österreich längst gelebte Realität. Davor kann auch die neue Regierung nicht die Augen verschließen“, so Sonja Ablinger.

Der Österreichische Frauenring wird gemeinsam mit den Expertinnen aus seinen über 40 Mitgliedsorganisationen die einzelnen geplanten Maßnahmen der Regierung analysieren und Stellungnahmen abgeben. „Wir werden auch weiterhin für eine progressive Frauenpolitik und längst überfällige Gleichstellungsmaßnahmen kämpfen – auf den Retro-Zug der Regierung springen wir sicher nicht auf“, so Ablinger abschließend.

Frauenring fordert Kinderkostenstudie

Mittwoch, 6. Dezember 2017 - 11:45

Für Kinder zu sorgen und verantwortlich zu sein, ist mit Kosten verbunden. Wie hoch diese genau sind, ist in Österreich offiziell nicht erfasst – die letzte Kinderkostenstudie wurde 1964 erstellt.

Der Österreichische Frauenring unterstützt daher die Forderung der AG Kindergrundsicherung nach einer neuen Erhebung der Kinderkosten. „Derzeitige Regelbedarfssätze im Unterhaltsrecht oder in der Familienförderung basieren immer noch auf den Zahlen der 1960er-Jahre. Für diese Berechnungen braucht es endlich eine solide Grundlage, die künftige Bundesregierung muss umgehend eine neue Kinderkostenstudie durchführen“, sagt Sonja Ablinger, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings.

Nur wenn die finanzielle Lage von Familien neu erfasst wird, können familienpolitische Maßnahmen auch realistisch geplant werden. „Nicht zuletzt wird die Kinderkostenanalyse seit Jahren als Grundlage für die längst überfällige Reform des Unterhaltsgesetzes genannt. Es braucht dringend konkrete Schritte, um die beschämend hohe Armutsgefährdung von Alleinerzieherinnen und ihren Kindern zu bekämpfen“, so Sonja Ablinger. 

Offener Brief zur Kinderkostenstudie auf www.kinderhabenrechte.at

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