Aktuelles

Frauenring-Preis 2018 für Kazuko Kurosaki (Aiko), Ingrid Nikolay-Leitner und Nicola Werdenigg

Freitag, 27. April 2018 - 9:30

Der Frauenringpreis wurde Donnerstagabend zum sechsten Mal an drei Frauen verliehen, die sich besonders für die Anliegen von Frauen engagieren und sich im Interesse der Geschlechtergleichstellung verdient gemacht haben. Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr Kazuko Kurosaki (Aiko), Tänzerin und Choreografin, Ingrid Nikolay-Leitner, Leiterin der Gleichbehandlungsanwaltschaft und die ehemalige Skirennläuferin Nicola Werdenigg.

Die Verleihung fand diesmal in der Österreichischen Präsidentschaftskanzlei in der Hofburg statt. „Kompetenz, Widerstandskraft und Unbeugsamkeit – dadurch zeichnen sich die Preisträgerinnen des diesjährigen Frauenring-Preises aus. Jede von ihnen fordert auf unterschiedliche Weise das ‚Versprechen der Gleichheit‘ ein. Jede macht das Machtgefälle, die patriarchalen Machtstrukturen zum Thema“, sagte Gastgeber Alexander Van der Bellen.

„Widerstand leisten, klare Formulierungen finden, die Öffentlichkeit mobilisieren, davon nicht abweichen - unter keinen Umständen! Das Prinzip heißt Einmischung“, zitierte Sonja Ablinger, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings, die ehemalige Frauenministerin Johanna Dohnal, als sie die herausragenden Eigenschaften der drei Preisträgerinnen beschrieb und die Entscheidung der Jury für die Frauenpreise 2018 erläuterte.

Kazuko Kurosaki (Aiko) wurde als Mitbegründerin und künstlerische Leiterin von „One Billion Rising Austria“ für ihr besonderes feministisches Engagement im Kampf gegen Gewalt an Frauen und Mädchen ausgezeichnet. „Aiko verkörpert einen Feminismus, der undogmatisch, deswegen aber nicht weniger explizit ist. Wenn heute Gerüchte salonfähig sind, feministische Ziele seien erreicht, und ein politischer Backlash in Sachen Frauenbelange auf der Tagesordnung steht, zeigt Aiko mit Aktionen wie wichtig es ist, sich zu verbinden“, sagte Laudatorin Susanne Karr.

Ingrid Nikolay-Leitner wurde für ihre Pionierinnenarbeit als erste Anwältin der Gleichbehandlungsanwaltschaft und ihr andauerndes Engagement für Gleichbehandlungsfragen geehrt. „Ingrid Nikolay-Leitner hat auf nationaler und internationaler Ebene Pionierinnenarbeit im Gleichbehandlungsrecht geleistet“, betonte Laudatorin Sandra Konstatzky.

Nicola Werdenigg erhielt den Frauenring-Preis 2018 in Anerkennung des besonderen feministischen Engagements für eine Beendigung sexueller Gewalt und für die klare Stellungnahme für die Rechte von Opfern sexueller Gewalt. Laudator James Skone würdigte Werdeniggs Mut, Machtmissbrauch zu thematisieren. Werdenigg hat sexuelle Gewalt im ÖSV zum Thema gemacht und damit einen wertvollen Beitrag geleistet, den Zusammenhang zwischen sexuellem Missbrauch, Erniedrigung und Tabuisierung und den strukturellen Rahmenbedingungen aufzuzeigen.

Unter den zahlreichen Gästen fanden sich auch die vomaligen SPÖ-Frauenministerinnen Gabriele Heinisch-Hosek und Pamela Rendi-Wagner, die ehemalige Bundessprecherin des Liberalen Forums, Heide Schmidt sowie Ewa Dziedzic, Bundesrätin der Grünen, als Gratulantinnen ein.

Fotos: HBF / Lechner

Budget 2018/19: Bei der Gleichstellung wird gekürzt - Frauen als Verliererinnen

Dienstag, 10. April 2018 - 0:45

Der Österreichische Frauenring, der Dachverband österreichischer Frauenvereine, kritisiert anlässlich der laufenden Budgetdebatten im Parlament die Kürzungen im Bereich der Gleichstellungspolitik. Im Budgetausschuss wird am Mittwoch das Budget für Frauenangelegenheiten und Gleichstellung diskutiert. „Frauen sind die Verliererinnen angesichts eines sozial unausgewogenen Familienbonus, durch Kürzungen bei Frauenberatungsangeboten und Gleichstellungspolitik“, hält Sonja Ablinger, Vorsitzende des Frauenrings, fest.

Der „Familienbonus“ gilt als Prestigeprojekt der Regierung – und entpuppt sich als sozial ungerechte Maßnahme, kritisiert Sonja Ablinger: „Vom Familienbonus profitieren klar Besserverdienende, rund ein Drittel der Kinder wird leer ausgehen – das ist Politik auf dem Rücken der NiedrigverdienerInnen, also überwiegend Frauen. Wir brauchen vielmehr Investitionen in qualitativ hochwertige, flächendeckende Kinderbetreuung und Ganztagsschulen, in der Familienpolitik setzt die Regierung offensichtlich auf Retropolitik."

Die Kosten für den unausgewogenen Familienbonus betragen rund 1,5 Milliarden Euro, wohingegen das Budget für Frauenpolitik und Gleichstellung auf dem niedrigen Niveau von 10 Millionen Euro bleibt, kritisiert der Frauenring. „Obwohl die Mittel für Gleichstellungspolitik ohnehin schon über Jahre zu gering bemessen sind, wird nun auch noch gekürzt. Von - ohnehin ungenügenden - 10,65 Millionen im Jahr 2017 werden für 2018 und 2019 nur 10,17 Millionen Euro budgetiert“, kritisiert Ablinger. Angesichts der 51 Millionen Euro, die sich Bundeskanzler Kurz als nicht definiertes Sonderbudget für sein Ressort drauflegen lässt, wie das Magazin Profil berichtete, sei die Ausdünnung der bescheidenen Mittel für Frauenagenden besonders unverständlich. „Eine Erhöhung um mindestens fünf Millionen Euro wäre für Gleichstellungsagenden ein absolutes Muss“, fordert die Vorsitzende des Frauenrings.

Unverzichtbare Frauenberatungsstellen

Ein Blick auf das Globalbudget für den Bundesvoranschlag 2018/19 zeigt außerdem, dass bei den Förderungen für Frauenberatungseinrichtungen gestrichen wird. Lag der Prozentanteil der politischen Bezirke, die über zumindest eine geförderte Frauenberatungseinrichtung verfügten, bisher bei 85%, wird nun das Ziel für die Jahre bis 2020 auf 80% heruntergeschraubt. „Frauenberatungsstellen sind wichtige Einrichtungen für Frauen, sie bieten Beratung für den beruflichen Wiedereinsteig, Rechtsberatung bei Scheidungen, für Alleinerziehende und vermitteln Hilfe für Gewaltschutz. Schon jetzt kämpfen die Einrichtungen mit zu geringen Mitteln und fordern mehr Budget für dringend notwendige Beratungsleistungen. Durch die Kürzungen wird es für Frauen gerade in den ländlichen Regionen noch schwieriger, Unterstützungen zu erhalten", sagt Ablinger. Das Ziel müsse ein 100%iger Ausbau sein, damit der Zugang zu Beratung und Unterstützung für alle Frauen gesichert sei, so die Vorsitzende des Frauenrings.

Effektiver Gewaltschutz

Wie die Allianz Gewaltfrei leben errechnete, bräuchte es allein für einen effektiven Gewaltschutz 21 Mal so viel Budget. „Die Regierung setzt in der Sicherheitspolitik falsche Prioritäten. Jede fünfte Frau in Österreich ist mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von körperlicher und/oder sexueller Gewalt. Jährlich werden 20-25 Frauen durch ihre eigenen (Ex-)Partner oder Familienmitglieder ermordet. Die Mittel für Gewaltschutz müssen dringend erhöht werden“, so Ablinger.

 

Frauenvolksbegehren unterstützen - jetzt!

Montag, 2. April 2018 - 10:30

Das Frauenvolksbegehren hat bisher schon in der Einleitungsphase knapp 240.000 Unterschriften gesammelt. Am Dienstag, den 3. April können noch Unterstützungserklärungen für den Start der Eintragungswoche abgegeben werden - der Österreichische Frauenring ruft zur Unterstützung auf.

Angesichts der Einkommensungleichheit zwischen Frauen und Männern sind Forderungen des Frauenvolksbegehrens hochaktuell. Der Gender Pay Gap auf Basis der durchschnittlichen Bruttostundenverdienste in der Privatwirtschaft beträgt 20,1 Prozent. Österreich liegt damit deutlich über dem EU-Schnitt von 16,2 Prozent. In Hinblick auf Lohnunterschiede ist die Forderung nach Gehaltstransparenz und gleichem Lohn für gleichwertige Arbeit zentral. 

Arbeitsbewertung

Es gibt viele Ursachen für die geschlechterspezifische Lohnschere, eine ganz wesentliche liegt in der geschlechtsspezifischen Arbeitsbewertung. Betrachtet man Kollektivlöhne in verschiedenen Branchen, so zeigt sich ein deutlich niedriges Lohnniveau in frauendominierten Berufen: Während ein ausgelernter Mechaniker im ersten Berufsjahr 2.072,55 Euro brutto verdient, sind es bei einer Friseurin nur 1.344 Euro. Dem Verdienst eines Maurers von 2.303,38 Euro brutto steht jener einer Altenfachbetreuerin von 2.054,40 Euro brutto entgegen – dabei sind gerade in Sozial- und Pflegeberufen sowohl körperliche als auch psychische Belastung besonders hoch. „Früher wurden die Frauen damit abgespeist, sie seien zu wenig gebildet, jetzt heißt es, sie hätten die falschen Berufe gewählt“, kritisiert Sonja Ablinger, die Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings.

In der Regel gilt: Berufe, in denen überwiegend Frauen arbeiten, werden geringer bewertet als jene, in denen überwiegend Männer arbeiten. Diskriminierungsfrei ist eine Arbeitsbewertung dann, wenn ausdrücklich darauf geachtet wird, dass alle Tätigkeiten nach einem Maßstab bewertet werden, kein ‚männlicher’ Maßstab angelegt wird und keine Geschlechtervorurteile einfließen. „Es fehlt an Bewusstsein, aber auch dem politischen Willen, Transparenz zu schaffen, Tätigkeiten und Berufe systematisch zu vergleichen und diskriminierungsfrei zu bewerten. Mögliche Lohnunterschiede müssen nachvollziehbar, überprüfbar und objektiv sein. Zur diskriminierungsfreien Arbeitsbewertung gehört auch die Überprüfung von Prämien und Zulagen. Die Forderung des Frauenvolksbegehrens nach Gehaltstransparenz und Weiterentwicklung der Einkommensberichte ist darum besonders wichtig“, erläutert Sonja Ablinger.

Einkommensberichte weiterentwickeln

Das im Jahr 2010 im Parlament verabschiedete Gesetz zu Einkommenstransparenz und verpflichtenden Einkommensberichten war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, dem dringend weitere folgen müssen. Denn Entlohnungssysteme, die nicht transparent sind, fördern Ungerechtigkeit, ebenso wie sogenannte Geheimhaltungsklauseln in Arbeitsverträgen, die das Einkommen betreffen. „Einkommensberichte dürfen nicht in der Schublade verschwinden. Es braucht einen verpflichtenden Maßnahmenplan“, fordert Sonja Ablinger. Zur Berichtslegung sollten außerdem alle Unternehmen und Betriebe mit mehr als 20 (jetzt 150) MitarbeiterInnen verpflichtet werden. 

„1979 wurde in Österreich das Gleichbehandlungsgesetz beschlossen – 40 Jahre danach ist Lohngerechtigkeit noch immer nicht hergestellt. Wir brauchen das Frauenvolksbegehren, um das Thema Einkommensgerechtigkeit auf die politische Tagesordnung zu bringen“, so Ablinger abschließend.

21 mal so viel für Gewaltschutz und Gleichstellung

Mittwoch, 21. März 2018 - 13:00

Hintergrundinfos zur Kampagne der Allianz "Gewaltfrei leben"

Vor der Budgetrede ließen Vertreterinnen der Allianz "Gewaltfrei leben"  21 Luftballons mit Forderungen in den Himmel steigen. Jeder Luftballon steht dabei symbolisch für 10 Millionen: Denn 210 Millionen Euro und somit das 21fache des derzeitigen Budgets des Frauenministeriums sind gefordert um Gewaltschutz- und Gleichstellungsmaßnahmen effektiv umzusetzen! Die Allianz "Gewaltfrei leben", der auch der Österreichische Frauenring angehört, ist ein Zusammenschluss von über 30 Opferschtz und Zivilgesellschaftsorganisationen.

Wieso 210 Millionen Euro?

Das Referat zur Bewertung des europäischen Mehrwerts bezifferte im Jahr 2011 die Kosten, die innerhalb der EU durch geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen verursacht wurden, auf 228 Milliarden Euro. Das entspricht 1,8 % des EU-BIP oder 450 € pro EU-BürgerIn jährlich! In Österreich sind demnach Kosten von ca. 3,7 Milliarden Euro durch geschlechtsspezifische Gewalt entstanden.

Lediglich 25 € pro ÖsterreicherIn und somit 5,5 % der verursachten Kosten pro Person, sollten in Präventionsarbeit investiert werden. Deshalb werden für Gleichstellungs- und Gewaltschutzmaßnahmen 210 Million Euro gefordert, auch um langfristig volkswirtschaftliche Kosten reduzieren zu können.

Warum mehr Geld für Gleichstellung?

Die Forderung nach einer Budget-Erhöhung für Maßnahmen zur Herstellung einer tatsächlichen Geschlechtergleichstellung ist nicht neu – seit Jahrzehnten setzen sich Frauenorganisationen dafür ein. Mit der Ratifizierung der Istanbul-Konvention hat sich Österreich zur Umsetzung umfassender Gewaltschutzmaßnahmen verpflichtet. 2016 wurde Österreich durch ein internationales ExpertInnenkommittee (GREVIO) evaluiert. Seit September nun liegen die Empfehlungen des ExpertInnenkommittees schon vor – und sie untermauern die Forderung nach einer Erhöhung der finanziellen Mittel. 

Effektiver Gewaltschutz kann nicht losgelöst von der Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit umgesetzt werden. Das Ministerium für Frauen, Familien und Jugend, das für die Umsetzung der Istanbul Konvention in Österreich zuständig ist, verfügt bisher über ein jährliches Budget von nur 10 Millionen Euro für Maßnahmen zur Gewaltprävention und Gleichstellung. Dieser Betrag ist viel zu niedrig. Die minimale Budgetierung von 10 Millionen Euro erlaubt keinen flächendeckenden Zugang zu Beratungsstellen, Frauenhäusern und anderen Hilfseinrichtungen. Es fehlen ausreichende Mittel zur Präventionsarbeit, Datenerhebung und der Erarbeitung von Handlungsempfehlungen und Gesetzesevaluierungen.

Am 21. März 2018 präsentiert der Finanzminister im Nationalrat das Doppelbudget für die Jahre 2018/19. Ein sichtbares Bekenntnis der neu gewählten Regierung zu Gleichstellung und Gewaltprävention wäre nun wichtiger denn je!

Ohne angemessene finanzielle und personelle Mittel wird es nicht möglich sein, Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt zu reduzieren bzw. diesen Formen von Gewalt vorzubeugen! Nicht zuletzt die hohen Folgekosten, die Gewalt gegen Frauen jährlich verursacht, machen eine Investition in Gewaltprävention immens wichtig.

Wofür braucht es Geld?

Auf den 21 Luftballons, die die Allianz Gewaltfrei leben in den Himmel steigen lässt, sind einige der zentralen Maßnahmen zu Gewaltschutz und Gleichstellung festgehalten, deren ausreichende Finanzierung nur durch eine Budgeterhöhung möglich sind. Dazu zählen:

1. Nationaler Aktionsplan gegen Gewalt: Um Frauen und Kinder besser vor Gewalt zu schützen, braucht es eine umfangreiche und langfristig angelegte Gesamtstrategie, die alle Formen der Gewalt gegen Frauen und Kinder miteinbezieht.

2. Gewaltprävention: Damit es gar nicht erst zu Gewalt kommt, muss intensiv in Gewaltprävention investiert werden.

3. Sensibilisierte Justiz: Opferschutzorganisationen bieten regelmäßig bewusstseinsbildende Schulungen u.a. für Polizeibeamt_innen und Richter_innen an, damit auch diese Anzeichen von Gewalt erkennen und lernen, wie sie mit Betroffenen umgehen sollen.

4. Sichere Unterkünfte: Gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder brauchen Räume, in denen sie im Fall schnell und unkompliziert Schutz finden!

5. Familienfreundliche Hilfe: Kinder und Jugendliche sind von häuslicher Gewalt immer mitbetroffen. Entsprechende Ressourcen für eine familienfreundliche Unterstützung müssen bereit gestellt werden.

6. Einrichtungen in ländlichen Gebieten: Außerhalb von größeren Städten gibt es oft nach wie vor keine Beratungseinrichtungen für gewaltbetroffene Frauen und Kinder.

7. Zugang für ALLE Frauen: Rechtliche und praktische Hürden müssen beseitigt werden, damit ALLE in Österreich lebenden Frauen und Kinder Beratungs- und Schutzeinrichtungen aufsuchen können.

8. Dolmetscher_innen: Nicht nur deutschsprachige Frauen erfahren Gewalt, daher braucht es Ressourcen für Dolmetscher_innen um Beratung in anderen Sprachen anbieten zu können.

9. Kostenlose Therapieplätze: Gewalterfahrung kann schwer traumatisieren; nicht alle Betroffenen von Gewalt haben aber derzeit die Möglichkeit ihre Erfahrungen in einem geschützten Raum aufzuarbeiten  – ein Ausbau der Therapieplätze ist dringend nötig!

10. Spezifische Beratungsangebote: Nicht alle Frauen und Mädchen von derselben Gewalt und Diskriminierung betroffen. Es braucht spezialisierte Angebote für Frauen mit unterschiedlichen Gewalterfahrungen (etwa migrantische Frauen, Frauen mit Behinderungen, sowie lesbische Frauen, transgender Frauen, u.v.m.)

11. Opferschutzorientierte Täterarbeit: Damit ist die Arbeit mit Tätern gemeint, die Gewalt gegen die Partnerin oder Ex-Partnerin, ausüben, um die Gewalttätigkeit nachhaltig zu beenden.

12. Mehr Daten: Handlungsstrategien brauchen Datengrundlage. Die Finanzierung entsprechender geschlechtersensibler Forschungsprojekte zum Thema ist daher unverzichtbar!

13. Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten: Für die Arbeit zu Gewaltprävention-, schutz und Gleichstellung braucht es qualitativ hochwertige Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Fachpersonal!

14. Vernetzung: Die Vernetzung und der Austausch von Expert_innen untereinander brauchen Raum, Infrastruktur und Ressourcen.

15. Fachtagungen und Konferenzen: Im Rahmen von Fachtagungen und Konferenzen können sich Expert_innen aus dem Gebiet miteinander austauschen und voneinander lernen.

16. Internationale Zusammenarbeit: Gewalt gegen Frauen ist ein globales Problem. Durch internationalen Austausch können gemeinsam Strategien verglichen, weiterentwickelt und Best Practice-Modelle erarbeitet werden.

17. Infomaterial: Unterlagen (wie Broschüren, Flyer etc.) sind wichtig, damit Betroffene von Gewalt über ihre Möglichkeiten Bescheid wissen und eine breite Öffentlichkeit sensibilisiert werden kann.

18. Workshops in Schulen: Gewaltprävention sollte möglichst früh ansetzen – Workshops mit Schüler_innen zu den Themen Gleichstellung und Gewaltschutz sind deshalb unverzichtbar.

19. Macht teilen: Gewalt an Frauen ist untrennbar mit ungleichen Machtverhältnissen in der Gesellschaft verknüpft. Es braucht eine breites politisches Bekenntnis zu einer wirksamen Gleichstellungspolitik.

20. Einkommensschere schließen: Im EU-weiten Vergleich hat Österreich einen der größten Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen. Ökonomische Unabhängigkeit ist eine Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben.

21. Laufende Kampagnen: Mit Filmen, Plakaten, Spots, Inseraten etc. muss kontinuierlich auf Geschlechterungleichheit und Gewalt an Frauen und Kindern aufmerksam gemacht werden.

Die Liste ließe sich noch erweitern – die unterschiedlichen Forderungen der Allianz zeigen, wie vielfältig die Arbeit auf diesem Gebiet ist. Dass nach wie vor ein nicht zu unterschätzender Anteil dieser Arbeit auf ehrenamtlicher Basis beruht bzw. drastisch unterfinanziert ist, ist nicht vertretbar angesichts der vorliegenden Daten zur Gewaltbetroffenheit.

 

21 mal so viel - für Gewaltschutz und Gleichstellung

Freitag, 16. März 2018 - 9:45

Aktion der Allianz "Gewaltfrei leben"

Die Allianz "Gewaltfrei leben", ein Zusammenschluss von über 30 Opferschtz und Zivilgesellschaftsorganisationen, der auch der Österreichische Frauenring angehört, macht sich für eine Erhöhung der Gelder für Frauen- und Gleichstellungsagenden stark. Ihre Forderung: 210 Millionen Euro und damit 21mal so viel wie das bisherige Budget des Frauenministeriums. Mit derzeit jährlich nur 10 Millionen Euro für Gewaltschutz und Gleichstellung sind diese so wichtigen Bereiche drastisch unterfinanziert! Die Forderung nach einer Aufstockung des Budgets wird durch die ausdrückliche Empfehlung des GREVIO-Expertinnenkomitees des Europarats zur österreichischen Umsetzung der Istanbul Konvention unterstützt.

Jede fünfte Frau in Österreich ist mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von körperlicher und/oder sexueller Gewalt. Jede dritte der in Österreich lebenden Frauen ist von sexueller Belästigung betroffen. Jährlich werden 20-25 Frauen durch ihre eigenen (Ex-)Partner  oder Familienmitglieder ermordet. Diese Zahlen machen deutlich: Gewaltschutz und  Gleichstellung dürfen nicht länger minimal budgetiert werden!

Vor der Budgetrede im Nationalrat ließ die Allianz "Gewaltfrei leben" 21 Luftballons vor dem Bundeskanzleramt in den Himmel steigen; jeder dieser Luftballons steht für 10 Millionen Euro. Darauf standen einige zentrale Maßnahmen zu Gewaltschutz und Gleichstellung, deren effektive Umsetzung nur durch eine Budgeterhöhung möglich ist. "Wenn wir Gewalt gegen Frauen und Mädchen beenden wollen, müssen wir in  Schulungen, Workshops und Infomaterialien investieren und die  Beratungsangebote und Notunterkünfte ausbauen", so Rosa Logar, eine Vertreterin der Allianz. Gleichstellungspolitik braucht außerdem eine breitere Erhebung spezifischer Daten und die Möglichkeit zur (inter)nationalen Vernetzung.

 
Mehr Informationen zur Aktion und der Allianz "Gewaltfrei leben"

Gerne können die Bilder unter Nennung der Fotografin (Sarah Zublasing) verwendet werden!

 

Die Allianz "Gewaltfrei leben" vor dem Bundeskanzleramt
21 Luftballons mit Forderungen

Der Gender Pay Gap ist kein Mythos!

Mittwoch, 14. März 2018 - 12:00

Offener Leserinnenbrief des Frauenrings

Sehr geehrter Herr Ortner, sehr geehrte Redaktion!

Als ‚Fake News‘ und ‚widerstandsfähigen Mythos in einer postfaktischen Welt‘ - so bezeichnet der Kolumnist und Autor Christian Ortner den Gender Pay Gap jüngst in der Tageszeitung „Die Presse“. Der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen von 20,1 Prozent, der im EU-Vergleich auf Basis der durchschnittlichen Bruttostundenverdienste der unselbständig Beschäftigten in der Privatwirtschaft ermittelt wird, sei schlichtweg falsch, da verschiedene Faktoren (wie z.B. die Berufsbranche) nicht berücksichtigt werden. Eine Erkenntnis, die bereits 2012 zwei „Profil“-Journalisten zu einer „Aufdecker“-Geschichte inspirierte („Löhne: Die Wahrheit über die Ungleichheit“).

Dass es sich beim Gender Pay Gap um ein Täuschungsmanöver von Frauenpolitikerinnen und Interessenvertretungen handelt, ist natürlich nach wie vor Unsinn und damit der eigentlich widerstandsfähige Mythos, der offensichtlich immer noch in manchen Redaktionen kursiert.

Statistik 1 x 1

Es ist ein alter Hut: Für die Ermittlung von Lohnunterschieden zwischen den Geschlechtern existieren verschiedene Berechnungsmethoden. Frauen arbeiten in Österreich etwa deutlich häufiger in Teilzeit als Männer, sie sind überproportional in Niedriglohnsparten vertreten und unterbrechen ihre Berufskarriere aufgrund von Pflege- und Erziehungsarbeit häufiger und länger als Männer. Diese Faktoren wirken sich selbstverständlich auf die Einkommenshöhe aus. Doch selbst wenn zusätzliche Aspekte wie Schulbildung, Berufserfahrung und Familienstand berücksichtigt werden, bleibt in Studien ein unerklärlicher Gender Pay Gap. Eine Detail-Analyse der Statistik Austria (Oaxaca-Blinder-Dekomposition) ermittelte für das Jahr 2014 etwa 8,6 Prozentpunkte geschlechterspezifischen Lohnunterschied, der sich durch Einflussfaktoren wie Branche und Stundenausmaß erklären ließ; 13,6 Prozentpunkte blieben hingegen unerklärt.

Gut bezahlter Mechaniker, schlecht bezahlte Kindergartenpädagogin

Und auch wenn die Berufsbranche Lohnunterschiede erklärt: Es bleibt die ungerechte Bewertung von Arbeit, die dringend hinterfragt werden muss. Gerade Tätigkeiten im Bereich der Kindererziehung und in der Pflege, die überwiegend von Frauen ausgeführt werden, sind anstrengend und mit viel Verantwortung verbunden – jedoch gering entlohnt. Hinzu kommen Kollektivverträge, die von geschlechterspezifischen Vorstellungen von „gleichwertiger“ Arbeit geprägt sind und somit Ungleichheiten aufweisen.

Unbezahlte Arbeit ist weiblich

Der wohl größte Faktor angesichts ungleicher Löhne und Pensionen bleibt die unbezahlte Arbeit: Diese wird auch im Jahr 2018 in Österreich noch immer überwiegend von Frauen erledigt – die Folge ist nicht nur eine Teilzeitquote von fast 50 Prozent bei Frauen, sondern auch ein eklatanter Gender Pension Gap von rund 40 Prozent, der viele Frauen in die Altersarmut führt (was sich durch die letzte Pensionsreform künftig noch verschärfen wird).

Rolle der Medien

Angesichts der strukturellen Ungerechtigkeiten könnten JournalistInnen sich – anstatt einfach „Fake News“ zu schreien – alternativ mit starren Rollenbildern und verbesserungswürdigen Einkommensberichten beschäftigen, nach positiven Beispielen aus anderen Ländern suchen und ExpertInnen zum Thema befragen.

Mit besten Grüßen,
Sonja Ablinger
Vorsitzende des Frauenrings

ALLE STIMMEN FÜR FRAUEN*! OBR-Vienna 2018, 14.2., 18:30, Platz der Menschenrechte

Freitag, 2. Februar 2018 - 1:00

OBRA-Pressekonferenz

Montag, 12. Februar 2018, 10:00
Dschungel Wien
, Bühne 1 (MuseumsQuartier, Museumsplatz 1, 1070 Wien)

Am Podium: Bundesrätin Ewa Dziedzic (Sprecherin der Grünen Frauen Österreich), Brigitte Hornyik (Österreichischer Frauenring), Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ-Frauensprecherin und Frauenvorsitzende), Lena Jäger (Projektleitung Frauen*Volksbegehren 2.0), Corinne Eckenstein (Leitung Dschungel Wien), Aiko Kazuko Kurosaki (Künstlerische Leitung OBRA).

One Billion Rising Vienna 2018: ALLE STIMMEN FÜR FRAUEN*!

Am Mittwoch, 14. 2., findet bereits zum sechsten Mal in Folge One Billion Rising Vienna statt. Das Motto lautet ALLE STIMMEN FÜR FRAUEN*! - weil 2018 ein wichtiges Jahr für Frauen* in Österreich ist: 100 Jahre Frauenwahlrecht, 40 Jahre 2. Frauenbewegung und das Frauen* Volksbegehren 2.0. Die Veranstaltung, organisiert vom Verein One Billion Rising Austria, wird 2018 erstmalig am Platz der Menschenrechte, MQ – 1070 Wien, abgehalten.

Diesmal sind die Anti Fascist Ballet School, Eloui, EsRAP, OMAS GEGEN RECHTS, starsky u. v. a. mit dabei. Moderation: Natalie Assmann. Das detaillierte Programm finden Sie unter: https://1billionrising.at/rising-vienna/rising-2018/   

One Billion Rising ist eine getanzte Kundgebung für ein Ende der Gewalt an Frauen* und Mädchen*. Die globale Kampagne wurde 2012 als Reaktion auf diese Zahlen ins Leben gerufen: 1 von 3 Frauen* weltweit ist von Gewalt betroffen. Das Herzstück der Kampagne, der Tanz zum Song „Break the Chain“, wird am 14. 2., dem V-Day, von zigtausenden Menschen weltweit getanzt.

Kostenlose OBRA-Tanzworkshops im Vorfeld

Mehrere OBRA-Tanzworkshops mit der Künstlerischen Leitung Aiko Kazuko Kurosaki haben bereits stattgefunden, es gibt noch weitere Termine. Alle Informationen unter: www.1billionrising.at/category/news-termine/termine

 

Rückfragen und Kontakt

Mechthild Geyer, Verein OBRA – One Billion Rising Austria
Mobil: +43 (0) 650/34 03 109 / E-Mail: presse [at] 1billionrising.at
www.1billionrising.at
ZVR: 552291969

Frauenring fordert Rücktritt von Udo Landbauer

Freitag, 26. Januar 2018 - 22:00

Der Österreichische Frauenring ist zutiefst erschüttert über den Inhalt eines Liederbuchs, welches bei der Burschenschaft Germania aufgetaucht ist. Dieser Text ist nicht nur rassistisch, antisemitisch, reaktionär, deutschnational und widerwärtig, sondern er ist als Aufruf zum Massenmord zu verstehen.

Aus unserer historischen Vergangenheit wissen wir, dass verbaler Gewalt konkrete Gewalttaten folgen können.

Gerade im großen Gedenkjahr von 100 Jahre Republik Österreich, 100 Jahre Frauenwahlrecht und 80 Jahre nach dem „Anschluss“ im Jahr 1938 ist es umso trauriger, dass Rechtsextremismus in Österreich wieder „salonfähig“ geworden ist und österreichische PolitikerInnen eine Wiederbelebung der NS-Ideologie vorantreiben.

Der Frauenring steht für ein respektvolles und friedliches Miteinander und ist entschieden gegen jede Form der Diskriminierung, gegen Gewalt, Xenophobie und Rechtsextremismus -  daher fordern wir Udo Landbauer zum Rücktritt auf.