Aktuelles

Schwangerschaftsabbruch: Überparteilicher Protest gegen Entmündigung

Freitag, 15. Februar 2019 - 14:45

Unter dem Motto #KeinenMillimeter fand am 15.2. eine Pressekonferenz im Palais Epstein statt. Der Grund: Immer wieder werden reproduktive Rechte von Frauen* angegriffen. Die vergangenen Jahre vermehrt auch in Europa und aktuell in Österreich. Zur Zeit liegen im österreichischen Parlament zwei Petitionen auf, die massive Einschränkungen bis zum Totalverbot von Schwangerschaftsabbruch fordern. Vor allem die Petition #fairändern hat namhafte Unterstützer*innen aus der aktuellen Regierung. Gemeinsam setzen Zivilbevölkerung und Politik dagegen ein Zeichen. "Keinen Millimeter werden wir weichen und die Beschneidung bereits erkämpfter Rechte dulden" ist das Credo der teilnehmenden Parteien und Organisationen. Die Pressekonferenz wurde von Protesten begleitet.

Lena Jäger vom Frauen*Volksbegehren: "#KeinenMillimeter ist ein Bündnis, um das Selbstbestimmungsrecht der Frauen* in Österreich gegen jegliche Angriffe von konservativen und rechten Seiten zu verteidigen. Das Frauen*Volksbegehren fordert die Zugänglichkeit und Kostenübernahme des Abbruchs im Rahmen der Fristenregelung. In allen öffentlichen Krankenhäusern. In jedem Bundesland. Ebenso die Kostenübernahme sämtlicher Verhütungsmittel und den Ausbau der Beratung zu diesen Themen. Das haben knapp eine halbe Million Menschen unterschrieben. Diese Menschen müssen gehört werden. Wir fordern eine ernsthafte und konstruktive Auseinandersetzung mit unseren Anliegen im Gleichbehandlungsausschuss."

Christian Fiala, Mediziner von Gynmed meint: "Der Status quo ist skandalös schlecht und das Ergebnis eines politischen Kompromisses von 1975. Ich fordere die ersatzlose Streichung der Strafandrohung von 1 Jahr Gefängnis für Frauen*, die einen Abbruch durchführen. Diese Strafe stammt aus der Monarchie und dem Faschismus und ist einer Demokratie unwürdig. Da ist die Beibehaltung einer solchen Strafandrohung unvereinbar mit dem demokratischen Mandat. Die Strafe wurde seit Jahrzehnten nicht mehr angewendet, wirkt aber als Strafandrohung weiterhin. Ich fordere zudem die rezeptfreie Abgabe der Abtreibungspille: Der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch ist ident zu einem Spontanabort, welchen Frauen* seit 10.000 Jahren selbst managen und, falls sie Hilfe benötigen, eben einen Arzt aufsuchen. Aus medizinischer Sicht ist es vollkommen absurd, dass Frauen* weiterhin Spontanaborte selbst managen, aber die idente Abtreibungspille nur unter hohen Auflagen bekommen."

Ewa Dziedzic, Bundesrätin und Sprecherin der Grünen Frauen Österreich kündigt breiten Protest an: "Wenn Minister Hofer auf den Pfaden von Kaczynski wandelt, muss er damit rechnen, dass wir eine Gegenbewegung organisieren. Polen, Rumänien und Ungarn dürfen kein Vorbild für Österreich sein! Selbstbestimmungsrechte von Frauen* sind hart erkämpft, eine kleine Gruppe von Fundamentalisten darf jetzt nicht die Gesetze in Österreich bestimmen. Minister Hofer soll sich warm anziehen: Wir lassen nicht zu, dass Frauen* in Österreich schikaniert, Zwängen ausgesetzt, entmündigt und gezwungen werden ins Ausland zu fahren, wenn sie medizinische Unterstützung brauchen. Diese hochideologische Debatte ist gefährlich für den Rechtsstaat, diese Frauenverachtung hat nichts im Parlament verloren. 500.000 Stimmen für das Frauen*Volksbegehren werden ignoriert, 55.000 Unterschriften von ultra-reaktionären sollen in Gesetzesänderungen münden, das ist eine Verhöhnung!"

Brigitte Hornyik von der Plattform 20.000 Frauen sagt: "Wenn wir Frauen* zutrauen, Kinder zu bekommen und groß zu ziehen, müssen wir ihnen auch zutrauen, dass sie selbst über einen Abbruch entscheiden und ihn durchführen können. Das Recht auf Selbstbestimmung der Frauen* und das Recht eigene Entscheidungen über ihren Körper zu treffen, darf nicht kriminalisiert werden. Das Recht auf Leben und Gesundheit ist ein Menschenrecht. Die Gesundheit der Frauen* steht an vorderste Stelle. Stop der Kriminalisierung, her mit echter Selbstbestimmung!"

Andrea Brunner von den SPÖ-Frauen sagt: "Konservative Bewegungen wie #fairändern wollen Frauen* ihr Recht auf eine freie Entscheidung über ihr Leben und ihren Körper beschneiden. Wir aber sagen, dass daran nicht gerüttelt werden darf und wir das Recht auf Selbstbestimmung mit aller Kraft verteidigen müssen und werden. Wir werden nicht weichen! Statt eines drohenden Abbaus von Frauenrechten braucht es bei Abbrüchen sogar massive Verbesserungen. Frauen* müssen darauf vertrauen können, dass sie in ihrer Nähe medizinisch gut betreut werden."

Maria Stern von der Liste Jetzt ergänzt: "Es hat den Anschein, dass die Regierungsparteien in einer Nacht- und Nebelaktion die heikle Materie rund um die Einschränkung des Schwangerschaftsabbruchs, ohne Diskussion im Petitionsausschuss, dem Justizauschuss zuweisen wollten."

Klaudia Frieben, die Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings: "Natürlich sollen Abtreibungen so weit wie möglich verhindert werden, und zwar durch soziale Maßnahmen, die Frauen* helfen, mit ihrem Kind leben zu können! Die Entscheidung über einen Abbruch wird sich sicher keine Frau* leicht machen. Die Fristenlösung hat Frauen* aus der Illegalität der Engelmacherinnen geholt, wo sie Abtreibungen unter lebensgefährlichen Bedingungen durchführen mussten und vor allem ist die Fristenlösung ein wichtiger Teil zur Selbstbestimmung über den eigenen Körper".

80. Geburtstag Johanna Dohnals im Zeichen des Rückschritts

Donnerstag, 14. Februar 2019 - 0:45

Der 80. Geburtstag von Österreichs verdienstvoller Frauenministerin und Frauenringvorsitzenden Johanna Dohnal steht im Zeichen des Rückschrittes:

Die Diskussion über eine Lockerung der hart erkämpften Fristenlösung, die Ignoranz gegenüber Alleinerziehenden oder fehlende Maßnahmen im Gewaltschutz machen deutlich, wie schnell aus Fortschritten Rückschritte werden.

„Vom Kampf Johanna Dohnals, der fordernd war und den sie gegen den Widerstand aus allen Reihen geführt hat, profitieren alle Frauen in Österreich noch immer“, stellt Klaudia Frieben, Vorsitzende des österreichischen Frauenringes fest. „Dieser Kampf ist leider bei sehr vielen in Vergessenheit geraten.“

Die Familienrechtsreform, das Gewaltschutzgesetz, das Gleichbehandlungsgesetz und eine eigenständige Altersversorgung sind nur einige der Errungenschaften, die Frauen den Weg in ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben ermöglicht haben. „Das Andenken an Johanna Dohnal verpflichtet uns, diesen Kampf ständig weiterzuführen“, sagt Klaudia Frieben.

„Besonders betroffen macht mich die aktuelle Diskussion rund um die Fristenlösung. Diese hat Frauen aus der Illegalität der Engelmacherinnen geholt, wo sie Abtreibungen unter lebensgefährlichen Bedingungen durchführen mussten. Wir dürfen nicht zulassen, dass das nochmals passiert“, so Frieben.

Gewaltschutz-PK: Frauenring fordert umfassende Maßnahmen statt Regierungs-Populismus

Donnerstag, 17. Januar 2019 - 16:00

Klaudia Frieben, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings, zeigt sich über die populistischen Ankündigungen der Regierung bei der heutigen Gewaltschutz-Pressekonferenz empört. „Wir wissen, dass Gewalt gegen Frauen keine Frage der Herkunft der Täter ist, sondern vorrangig eine Frage von Machtverhältnissen – meist sind die Täter die (Ex-)Partner. Karin Kneissl spricht davon, dass Frauen sich auf der Straße nicht mehr sicher fühlen könnten, die meiste Gewalt passiert aber in den eigenen vier Wänden. Auch vor der Flüchtlingskrise waren die Frauenhäuser in Österreich überfüllt“, so Frieben.

Auch die Ankündigung einer neuen Notrufnummer ist nicht nachvollziehbar. Die Frauenhelpline 0800 222 555 ist seit vielen Jahren etabliert und rund um die Uhr besetzt.

„Die Empfehlungen der Instanbul-Konvention, die Österreich ratifiziert hat, liegen auf dem Tisch. Es geht darum, endlich Geld in die Hand zu nehmen und die umfassenden Maßnahmen im Bereich Prävention, Opferschutz und Täterarbeit umsetzen“, so Frieben.

Das Recht auf Gewaltfreiheit ist außerdem mit ökonomischer Sicherheit verknüpft. „Kürzungen im Sozialsystem und bei der Arbeitsmarktpolitik sind der Sicherheit von Frauen sicher nicht zuträglich“, sagt Frieben.

Frauenring: Massive Kritik am geplanten Sozialhilfegesetz der Bundesregierung

Mittwoch, 9. Januar 2019 - 0:00

Der Österreichische Frauenring (ÖFR) lehnt den Gesetzesentwurf der Regierung zur Sozialhilfe entschieden ab. Seit 50 Jahren setzt sich der Frauenring für soziale Gerechtigkeit, die Gleichstellung von Männern und Frauen, für Frauen- und somit auch Kinderrechte ein – das von der Regierung geplante Sozialhilfegesetz steht dem diametral entgegen. Armutsbetroffene werden stigmatisiert und weiter in die Armut getrieben.

„Die Neuregelung wird vor allem Kinder und Frauen hart treffen. Gerade für Frauen, die die Hauptlast der unbezahlten Arbeit tragen, ist eine menschenwürdige Mindestsicherung von zentraler Bedeutung. Sie ermöglicht eine eigenständige Existenz und damit letztendlich auch den Ausweg aus Gewaltbeziehungen“, sagt Klaudia Frieben, Vorsitzende des ÖFR.

Mit der geplanten „Höchstsicherung“ für die Länder, die nicht überschritten, aber jederzeit unterschritten werden kann, ist ein Wettbewerb nach unten zu erwarten. „Sämtliche wissenschaftliche Studien zeigen, dass eine solche Politik extrem kurzsichtig ist. Aus armen Kindern werde arme Erwachsene“, sagt Frieben.

Der Frauenring spricht sich zudem klar gegen die geplanten Einschnitte bei Geflüchteten aus. „Die Mindestsicherung wurde in den vergangenen Jahren für fremdenfeindliche Stimmungsmache missbraucht. Wir stellen uns gegen diese Politik der Spaltung. Von einem starken Sozialsystem profitieren alle“, so Frieben.

Die Zuschläge für Alleinerziehende wertet der Frauenring zwar positiv, allerdings werden Alleinerziehende von der Regierung etwa beim Familienbonus und bei der Mittelkürzung in der Kinderbetreuung benachteiligt, was letztendlich zu Verlusten führen könnte.

„Wir fordern Maßnahmen, die Armut tatsächlich entgegenwirken. Etwa den dringend notwendigen Ausbau an kostenlosen bzw. leistbaren Kinderbetreuungs- und Pflegeeinrichtungen, mehr Mittel für eine aktive Arbeitsmarktpolitik und in der Gewaltprävention und eine Bekämpfung des Gender Pay Gaps. Nur so gibt man Frauen überhaupt die Chance, sich aus eigener Kraft ihre Existenz sowohl im aktiven Erwerbsleben als auch im Alter abzusichern“, so Frieben.

Frauenring gegen „Bittstellerpolitik“

Donnerstag, 3. Januar 2019 - 13:45

Der Österreichische Frauenring feiert 2019 sein 50-jähriges Bestehen. Vorsitzende Klaudia Frieben hat angesichts des bevorstehenden Jubiläums mit der APA über die aktuelle Regierungspolitik, frauenpolitische Forderungen und die geplanten Feierlichkeiten gesprochen.

https://orf.at/stories/3106302/

Frauenring: Worauf noch warten, Frau Frauenministerin?

Mittwoch, 2. Januar 2019 - 15:15

Das Neue Jahr beginnt frauenpolitisch mit unzähligen Baustellen: eine beängstigende Zunahme von Gewaltdelikten gegen Frauen, Hassorgien gegen Frauen im Netz, die Streichung des Kinderbetreuungsgeldes für Krisenpflegeeltern und die noch immer fehlende staatliche Unterhaltspflicht machen ein rasches Handeln dringend notwendig.

„Wir haben im vergangenen Jahr die Regierung immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass sich die Lage für Frauen in vielerlei Hinsicht verschärft. Bisher wurden aber nur Task Forces eingerichtet, Evaluierungen in die Wege geleitet, Arbeitsgruppen installiert und die Mittel von Fraueneinrichtungen gekürzt“, sagt Klaudia Frieben, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings.

Aktuell braucht es dringend zusätzliche Mittel und Ressourcen im Gewaltschutz und in der Prävention, ein brauchbares Gesetz gegen Hass im Netz, einen Erlass zur Auszahlung des Kinderbetreuungsgeldes für Krisenpflegeeltern und eine staatliche Unterhaltspflicht, um Frauen und Kinder nach einer Trennung vor Armut zu schützen.

„Worauf also noch warten, Frau Frauenministerin? Die Frauen in Österreich haben sich eine Politik verdient, die ihre Interessen wahrnimmt und ihre Lebenssituation ständig verbessert," so Klaudia Frieben.

Gewalt gegen Frauen: patriarchale Denkmuster als Ursache

Freitag, 28. Dezember 2018 - 15:15

Eine Aussendung des Vereins AÖF

Viele Frauen erleiden täglich Gewalt, häufig mehrmals schwere Gewalt und beinahe jeden 10. Tag stirbt eine Frau in Österreich an den Folgen von Partnergewalt und häuslicher Gewalt. Heuer wurden bereits 36 Frauen ermordet, zwei davon über die Weihnachtsfeiertage. Die Täter sind Männer – meist Ehemänner, Beziehungspartner, Ex-Partner und männliche Familienmitglieder. Sie sind Österreicher, Männer mit österreichischer Staatsbürgerschaft oder aus anderen Herkunftsländern. Sie alle haben jedoch meist ein gemeinsames Tatmotiv: patriarchale Einstellungen und Denkmuster, kein oder wenig Schuldeingeständnis, Besitzdenken, Eifersucht und vor allem Angst vor Machtverlust und Kontrolle. Stattdessen ist die mediale Aufmerksamkeit auf Herkunft, Hautfarbe und Nationalitäten der Täter gerichtet, um das Bild zu verzerren und vom wahren Phänomen der Partnergewalt abzulenken.

Nicht auf die Opfer vergessen

Es spielt keine Rolle, woher die Täter kommen, wichtig sind die Tatmotive, die Gründe und Ursachen für die Gewalttaten und wie sie hätten verhindert werden können. „Jeder Mord an einer Frau ist ein Mord zu viel“, so Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des AÖF – Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser, „daher sollte in der medialen Berichterstattung auch nicht auf das Leben der Opfer vergessen werden“. Frauen die ermordet werden haben eine Geschichte, sie verlieren ihr Leben, ihre Kinder, ihre Geschwister, ihre Eltern, ihre Umgebung, ihre FreundInnen, ihre Arbeitsstelle und ArbeitskollegInnen. Und umgekehrt ebenfalls: die Kinder verlieren ihre geliebte Mutter, ihre Schwester, die Eltern ihre Tochter, die Bekannten ihre Freundin, und der/die ArbeitgeberIn seine oder ihre geschätzte Mitarbeiterin. Alle Frauen sehnten sich nach einem gewaltfreien und erfüllten Leben.

Zeit der Trennung am gefährlichsten

Frauen werden oft dann ermordet, wenn sie sich endgültig aus einer gewalttätigen Beziehung befreien wollen, weil sie die Scheidung einreichen, weil sie die Kinder schützen wollen, weil sie sich endlich vom Misshandler trennen wollen, weil sie die Polizei rufen, weil sie endlich den Mut finden eine Anzeige zu erstatten, weil sie in ein Frauenhaus flüchten wollen. Die Zeit der Trennung und Scheidung ist für viele Frauen die gefährlichste Zeit. „In dieser Zeit dürfen Frauen nicht im Stich gelassen werden“, so Maria Rösslhumer.

Täter meist polizeibekannt

Denn Täter sind meist Wiederholungstäter, sie sind meist schon behördenbekannt und sie kündigen ihre Taten mit gefährlichen Drohungen und Morddrohungen an. Meist gibt es bereits mehrere Alarmzeichen, oft haben sie bereits mehrere Vorstrafen, Anzeigen wegen diverser Delikte oder mehrere Wegweisungen. Jedoch werden diese Täter oft nicht zur Verantwortung gezogen oder in Untersuchungshaft genommen.

All dieses Wissen und all diese Warnzeichen sollten herangezogen werden um Gewalt zu stoppen und zu verhindern. Polizei, Justiz, MitarbeiterInnen aus Behörden, Kinder- und Jugendhilfe, Einrichtungen, die mit Opfern und Tätern konfrontiert sind und Menschen aus der Umgebung der Betroffenen sollten deutlich hinschauen, Hilfe holen und Zivilcourage üben.

Die Polizei unter der Nummer 133, die Beraterinnen der Frauenhelpline gegen Gewalt unter der Nummer 0800 222 555 und die Mitarbeiterinnen der Frauenhäuser in ganz Österreich stehen bei Fragen zu Gewalt rund um die Uhr zur Verfügung.

 

www.aoef.at

Großdemonstration gegen Schwarz-Blau

Dienstag, 11. Dezember 2018 - 13:15

Der Österreichische Frauenring unterstützt die Großdemonstration gegen Schwarz-Blau am 15. Dezember in Wien.
Der feministische Block trifft sich am um 14 Uhr bei der Ecke Schottenfeldgasse/Mariahilferstrasse. Gegen Rechtsruck, Rassismus und Sozialabbau!

www.heisserherbst.at
www.20000frauen.at

 

 

Welche Rahmenbedingungen brauchen SexarbeiterInnen?

Freitag, 7. Dezember 2018 - 23:15

SOPHIE, das BeratungsZentrum für Sexarbeiterinnen der Volkshilfe Wien, weist auf die
Notwendigkeit von Rechtssicherheit für Sexarbeiterinnen hin.

„Wer freiwillig sexuelle Dienstleistungen anbietet, soll dies unter rechtsstaatlichen
und menschenwürdigen Rahmenbedingungen tun können“, fordert Eva van Rahden,
Leiterin von SOPHIE, dem BeratungsZentrum für Sexarbeiterinnen der Volkshilfe Wien, anlässlich
des Internationalen Tages der Menschenrechte. Den Kauf sexueller Dienstleistungen
unter Strafe zu stellen, wie immer wieder gefordert wird, würde die SexarbeiterInnen
schwächen, ist die Expertin überzeugt. Jede Form der Kriminalisierung führe zu mehr Illegalität
und Illegalität bedeutet für SexarbeiterInnen weniger Rechte und weniger Schutzmöglichkeiten.
Frauen, die Opfer werden, können zudem in einem legalen System leichter
erkannt und unterstützt werden.

„Bislang gibt es keine wissenschaftlich haltbaren Nachweise
für die Behauptung, dass die Strafbarkeit von Kunden Sexarbeiterinnen wirksam vor
Ausbeutung oder Gewalt schützt. Auch eine prekäre wirtschaftliche Ausgangssituation der
Frauen wird durch ein Verbot nicht verbessert. Nur Rechtssicherheit kann SexarbeiterInnen
Schutz bieten“, so van Rahden.

Beratungsangebot zum Berufswechsel in vielen Sprachen

Mit allen Fragen rund um das Thema Sexarbeit, etwa zu Versicherung, Steuern oder Registrierung
als Prostituierte, können sich Sexarbeiterinnen in Wien, Niederösterreich und im
Burgenland an das BeratungsZentrum SOPHIE wenden. Die Frauen werden umfassend in
vielen Sprachen beraten, anonym und kostenlos. Wenn sie ihre Tätigkeit beenden und einen
Berufswechsel vornehmen wollen, werden sie dabei umfassend unterstützt.
Vor allem Frauen, die nicht freiwillig mit der Sexarbeit begonnen haben, planen häufiger
einen Berufswechsel. Das zeigen Erfahrungen und eine Studie, die SOPHIE im Jahr 2013
durchgeführt hat. Diese Frauen brauchen längerfristige professionelle Begleitung, auch, weil
Sexarbeiterinnen als Neue Selbstständige in der Regel keinen Anspruch auf monetäre Unterstützung
durch das AMS haben.

Tag der offenen Tür

Am Internationalen Tag der Menschenrechte laden wir am Montag, 10. Dezember 2018
zum Tag der offenen Tür bei SOPHIE ein und stellen die Arbeit des Beratungszentrums vor.
Neben Volkshilfe Wien-Geschäftsführer Otto Knapp wird auch Rudolf Hundstorfer, Vorsitzender
der Volkshilfe Wien, anwesend sein. Christoph Lipinski stellt die Interessensvertretung
für Ein-Personen-UnternehmerInnen vida.flex vor.

Montag, 10. Dezember 2018 – ab 14.00 Uhr
BeratungsZentrum SOPHIE, Oelweingasse 6-8, 1150 Wien
www.sophie.or.at

Rückfragehinweis
Magdalena Schluckhuber
Öffentlichkeitsarbeit
0676/87841773
kommunikation [at] volkshilfe-wien.at
 

TV-Tipp: "Weltjournal" am 28.11. widmet sich Frauenrechten

Montag, 26. November 2018 - 4:00

WELTjournal, 28.11.2018   

Argentinien – der Aufstand der Frauen

Wenn am 30. November die Staats- und Regierungschefs der 20 größten Industrieländer in Buenos Aires zum ersten G20-Gipfel in Südamerika zusammenkommen, werden in Argentinien tausende Frauen auf die Straße gehen. Sie nutzen die Öffentlichkeit um auf die weitverbreitete Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen: alle 31 Stunden wird in Argentinien eine Frau von ihrem Lebensgefährten oder Ex-Partner umgebracht. In Österreich wurden letztes Jahr 77 Frauen Opfer eines Mordes oder Mordversuchs – das ist EU-weit negativer Rekord.

Seit Monaten protestieren hunderttausende Argentinierinnen gegen die traditionell stark ausgeprägte Macho-Gewalt. Sie fordern Anerkennung und Schutz, ein gesamtgesellschaftliches Umdenken, gleichen Lohn für gleiche Arbeit und das Recht auf legale Abtreibung. Eine neue feministische Bewegung ist entstanden – in Argentinien, in den Nachbarländern, schließlich in der ganzen Region. WELTjournal-Reporterin Julieta Rudich begleitet die argentinischen Tango-Sängerinnen Claudia Levy und Noelia Moncada bei ihrem sehr persönlichen Engagement gegen Gewalt gegen Frauen in Lateinamerika.

 

WELTjournal+, 28.11.2018

Abtreibung – Kreuzzug gegen Frauenrechte

Für viele europäische Frauen ist es heute selbstverständlich, dass sie das Recht haben, sich für einen Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden. Doch militante Abtreibungsgegner sind im Aufwind und haben mit Geld aus den USA und Unterstützung konservativer Kirchenkreise ein internationales Netzwerk geknüpft, das Frauen unter Druck setzt und legale Abtreibung erschwert. Von Italien bis Polen, von Frankreich bis Ungarn wird ein Kreuzzug gegen das Recht auf Abtreibung geführt.

Vor allem in Osteuropa haben Nationalisten das Thema längst für sich entdeckt. Politiker wie der ungarische Regierungschef Viktor Orban stellen die Hebung der Geburtenrate als Alternative zur Zuwanderung dar. In Italien lassen sich kaum Ärzte finden, die bereit sind, einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen. Ohne das Wissen der betroffenen Frauen übergeben katholische Krankenhäuser deren Föten an Abtreibungsgegner, die sie dann im Rahmen von Kundgebungen öffentlich bestatten, incl. Grabstein mit dem Namen der Frau. Schwangerschaftsabbruch wieder illegal zu machen, ist aber nur das erste Ziel der ‚Pro-Life'-Aktivisten. Ihre nächsten Feindbilder sind Empfängnisverhütung und Scheidung. Das WELTjournal+ zeigt, wie sich mit dem Aufstieg der neuen Rechten in Europa ein Rückschlag bei Frauenrechten vollzieht.

 

 

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