Replik des ÖFR zu Bernhard Kochs “Kommentar der Anderen” (derStandard, 3.6.2012)

Bernhard Koch verfasste am 3.Juli 2012 folgenden Artikel  Familienrecht: Väter müssen draußen bleiben?.

Der Österreichische Frauenring protestiert entschieden.

Genial, der Herr Koch – der Frauenring gratuliert! Wozu? Zur einzigartigen Verdrehung von Tatsachen in der Sorgerechtsdebatte!  Haltet den Dieb Methoden in der Argumentation waren immer schon eine schlaue Taktik.

Denn:
1) Es sind die VäterRECHTLER, die immer nur auf ihre RECHTE pochen, und gern auf unangenehme Betreuungspflichten (Stichworte kranke  Kinder, durchhustete Nächte, Büffeln für Mathe, obwohl frau selbst schon nach Arbeit, Haushalt, kurz dem üblichen  Alleinerzieherinnen-Alltag  am Sand ist) vergessen! DESWEGEN wird von  Frauenseite jetzt darauf hingewiesen, dass Sorgerecht nicht nur Recht sondern auch Pflicht ist.

2) Es sind die Kampf-Väter, denen es wohl mehr um Macht als um das Kindeswohl bzw ihre Beziehung zu den Kindern geht.Väter, die sich bereits während aufrechter Beziehung engagiert haben – und zwar im Alltag des Krankenbettes, der Sprechstunden, usw, also im Bereich des nicht immer so rosigen und Glück bringenden Dienstleistungsunternehmens “Elternschaft” werden nach einer Trennung  sicher nicht ausgesperrt! Nur die, die ihre Vaterschaft erst vor dem Pflegschaftsgericht entdecken, sind nicht immer so willkommen…..

3) An ALLE:
Die “gemeinsame Obsorge” ist keine gemeinsame Obsorge, sondern das alleinige Vertetungsrecht der Mutter einerseits, des Vaters andererseits für das Kind – Stichwort: Unterschrift! In aufrechter Beziehung meist kein Problem, nach der Trennung meist schon: Mama meldet an, Papa meldet ab, Mama stellt einen Antrag, zB Reisepass, Papa zieht den Antrag zurück – na fein! wohliges Kindeswohlgefühl macht sich breit! Wenn sich Mama und Papa trotz Trennung wie vernunftbegabte Menschen verhalten, miteinander reden gerade über die Kinder sind die rechtlichen Rahmenbedingungen zweitrangig – aber wehe, wenn nicht! Dann kann jede simple Unterschriftsleistung zum
Nebenschauplatz des Rosenkriegs werden!

Also, Herr Koch, lassen wir die Kirche im Dorf: es geht nicht um ausgesperrte Väter und böse Mütter, die nur Machtinteressen verfolgen und den armen Papis die Pflichten aufhalsen wollen. Es geht auch nicht um unsere Liebe zu den Kindern – die entzieht sich ja Göttin sei Dank den Paragrafen. Es geht um pragmatische Regelungen, die den ohnehin
schwierigen Alltag von AlleinerzieherInnen – großes I wohlgemerkt! – nicht noch mühsamer machen. Wenn jede Schikursanmeldung zum Spielball kleinlicher Zänkereien werden kann ist es doch wohl mehr im Interesse von Mutter, Vater und Kind beim derzeitigen grundsätzlichen alleinigen Vertretungsrecht eines Elternteils zu bleiben – es kann ja ohnehin in beiderseitigem Einverständnis ein Vertetungsrecht auch des jeweils anderen Elternteils festgelegt werden. Und Gratulation an alle, die trotz Scheidung solche juristischen Regeln gar nicht brauchen!”

in Absprache mit der Vorsitzenden des Fraunerings, Dr Christa  Pölzlbauer, für den Frauenring: Dr Brigitte Hornyik, Vertreterin des  Vereins Österreichischer Juristinnen im Vorstand des Frauenrings

Rückfragen unter: 0664 252 20 08

Briefe an die Redaktion:
Sehr geehrte Redaktion, es ehrt den Herrn Koch ja, dass er ,Erfahrungen als Betreuer in Kindergärten’ hat, gerade, weil ,Bereiche wie familiäre Geschlechterforschung, Kindererziehung, Kindergärten, gegenwärtig von Frauen dominiert werden’, wie er meint. Ja wer hindert denn die Männer daran, in diese Berufe einzusteigen? Ist denen vielleicht die
Bezahlung zu  schlecht? Na so was: er hat sich getraut, der Feminisierung der Erziehung mannhaft entgegen zu treten!

Und er hat ja so Recht: im Vordergrund der Debatte steht weniger das Kindeswohl als Machtfragen. Sicher ist das so: es geht den weinerlichen und/oder macho-haften Männern vorwiegend um Machtfragen – anschaffen wollen sie, Recht haben, aber mit den Pflichten haben sie’s nicht so sehr.

Frau muss sich solche und ähnliche Frechheiten von Männerrechtlern nicht bieten lassen. Auch nicht den plumpen Hinweis auf die Position der ,jüngeren Kollegin vom Justizministerium’.

Maria Jonas

Thema verfehlt, Herr Koch!

Es geht um die gemeinsame Obsorge bei STRITTIGEN Scheidungen. Es geht nicht darum, ob Mütter oder Väter die besseren Erziehungspersonen sind – ich glaube, dass wohlwollende Eltern – egal ob Mann oder Frau – gute Bezugspersonen sind. Aber dort wo der Kampf nach der Scheidung weiter geht, soll EINE Person die Obsorge haben, weil ansonsten der Krieg am Rücken der Kinder ausgetragen wird. Kinder sind oft traurig wenn sie einen Elternteil verlieren, aber wenn der Kampf weiter geht, ist ein nachhaltiger seelischer Schaden vorprogrammiert. Daher ist der
Frauenministerin Recht zu geben, wenn sie bei strittiger Scheidung auf die alleinige Obsorge besteht – im Interesse der Kinder und jener Bezugsperson, die das Kind betreut.

Christa Pölzlbauer

Sehr geehrte Redaktion,

Herr Koch irrt in vielen Punkten, ich bin überzeugt, er wird viel Widerspruch ernten. Zwei Passagen sollten dabei nicht übersehen werden. Herr koch schreibt: Stellen Sie sich vor, dass umgekehrt, wenn es um eine erhöhte Erwerbsbeteilung von Müttern ginge, von der “Pflicht” die Rede wäre, zur Hälfte des Familieneinkommen beizutragen, etwa durch die ”
richtige” Berufswahl.

Wo lebt Herr Koch? Frauen tragen selbstverständlich zum Familieneinkommen bei, sehr oft müssen sie sich und ihre Kinder ganz  allein erhalten. Und auch Männer sind nicht zur “richtigen” Berufswahl bzw. zu einem bestimmten Erwerbseinkommen verpflichtet.

Herr Koch schreibt weiters:
Man stelle sich vor, dass umgekehrt die gleichen Rechte für Frauen auf  Teilhabe am Erwerbsleben beeinsprucht werden mit dem Argument, sie müssten sich erst im Erwerbsleben bewähren.

Das muss man sich gar nicht vorstellen. Das ist so. Frauen werden nicht für nichts am Erwerbsleben beteiligt. Sie müssen sich bewähren, sie haben sich bewährt, und sie bewähren sich.

Mit freundlichen Grüßen

Christiane Ugbor

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Pressekonferenz

Nein zur Anhebung des Frauenpensionsalters!                                                                                                                                           

Gleiche Bezahlung für gleiches Pensionsantrittsalter!

ÖGB Frauen, Österreichischer Frauenring, Netzwerk Frauenberatungstellen, UFF Frauenvolksbegehren, Plattform 20000frauen laden zur

Pressekonferenz

Derzeit wird heftig über vorzeitige gesetzliche Anhebung des Frauenpensionsalters auf 65 Jahre diskutiert. Eine breite Allianz, bestehend aus dem Österreichischen Frauenring, den ÖGB Frauen, dem Netzwerk Frauenberatungsstellen, dem UFF – Frauenvolksbegehren und der Plattform 20000frauen spricht sich vehement gegen eine solche vorzeitige Anhebung aus. Ohne auf die tatsächlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen in Österreich einzugehen, sollen Frauen hier in Krisenzeiten zu Kasse gebeten werden.

 
Wir möchten Sie daher gerne zu einer Pressekonferenz einladen:

am Mittwoch, den 14. Dezember 2011, 10.30 Uhr
im Café Landtmann, Löwel Zimmer (Dr. Karl Lueger-Ring 4, 1010 Wien)

- Brigitte Ruprecht, Bundesfrauenvorsitzende des ÖGB,

- Christa Pölzlbauer, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings,

- Traude Kogoj, UFF – Frauenvolksbegehren,

- Marion Breiter, Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen,

und Petra Unger, Sprecherin der Plattform 20000frauen

werden ihre Kritik an der geplanten Anhebung des Pensionsalters für Frauen formulieren und bis 12 Uhr für Ihre Anfragen zur Verfügung stehen.

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