Musterbriefe

LeserInnenbrief an die Tageszeitung "Heute"

Montag, 10. November 2014 - 21:15

Sehr geehrte Redaktion,

"Perfekt flirten in den Öffis" war am 4. November auf der Titelseite der "Heute" zu lesen. Was der selbsternannte "Flirt-Experte", dessen Buch Sie schließlich vorstellen, unter flirten versteht, hat uns im Frauenring – der Dachorganisation österreichischer Frauenvereine – erschüttert.

Touristen (gemeint sind wohl Touristinnen) wären "naiv, leichtgläubig und einfach gestrickt", alleinerziehende Mütter "übersehen und willig". Diese Personengruppen seien die "bevorzugten Opfer", schreiben Sie in dem Artikel. All das hat jedoch nichts mit einem Flirt zu tun – denn wer einem anderen Menschen mit Respekt und auf Augenhöhe begegnet, sucht keine "leichtgläubigen Opfer".

Indem Sie solche Aussagen aber unkommentiert abdrucken, senden Sie die Botschaft an ihre (zahlreichen) LeserInnen, es wäre in Ordnung, Frauen zu belästigen, Frauen als potenzielle Opfer zu sehen, die es mit Tricks zu überlisten gilt.

Frauenorganisationen (und auch Männer-Gruppen), die sich der Anti-Gewalt-Arbeit widmen, zeigen seit vielen Jahren die Übergriffe und Belästigungen auf, die Frauen im öffentlichen Raum ausgesetzt sind. In Kampagnen werden unter anderem Männer adressiert, um ein Bewusstsein für Grenzverletzungen, physische und psychische Gewalt zu schaffen. Kontraproduktiv wirken hier Artikel wie jener in der "Heute", der übergriffiges Verhalten verharmlost und in die Kategorie des "Flirts" einordnet.

Wir fordern Sie daher auf, sich künftig kritisch mit dem Thema auseinanderzusetzen und diesbezüglich – gerade als Medium mit einer enormen Reichweite – Ihre journalistische Verantwortung wahrzunehmen.

Mustergratulation: ORF-Sendung

Mittwoch, 23. Juli 2014 - 12:00

Sehr geehrte Damen und Herren!

Sendung und Austrahlungsdatum:

Aus gegebenem Anlass gratuliere ich Ihnen zu der oben genannten Sendung!

Diese Sendung entspricht meiner Ansicht nach dem gesetzlichen Programmauftrag des ORF vorbildlich, Anliegen der Gleichberechtigung von Frauen und Männern angemessen zu berücksichtigen.

Der gesetzliche Programmauftrag des ORF umfasst gemäß § 4 Abs 1 Z 2 ORF-G die Förderung des Verständnisses für alle Fragen des demokratischen Zusammenlebens sowie gemäß § 4 Abs 1 Z 11 die angemessene Berücksichtigung der Anliegen der Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Gemäß der Gestaltungsgrundsätze für alle Programmkategorien der Programmrichtlinien haben Angebote des ORF zum Abbau von Vorurteilen, insbesondere auf Grund von Geschlecht (1.4.7), beizutragen. Die Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache ist ebenfalls in den Programmrichtlinien verankert (1.4.12).

All diese Bedingungen müssen erfüllt sein, damit der ORF seinem demokratie- und gleichstellungspolitischen Programmauftrag gerecht wird. Die explizite Behandlung von Themen, die für die Gleichstellung von Frauen und Männer bedeutsam sind, ist dafür besonders wichtig. Auch ist es unverzichtbar, vermeintlich ‚neutrale’ Themen so aufzubereiten, dass deren Auswirkungen für (unterschiedliche Gruppen von) Frauen und Männer(n) erkennbar wird. Die Darstellung von Frauen und Männern hat massive Auswirkungen darauf, welchen Position und welche Chancen Frauen und Männer in einer Gesellschaft haben und haben werden.

Deshalb gratuliere ich Ihnen nochmals zur gelungenen Berücksichtigung der Gleichstellungsaspekte in der oben genannten Sendung und ermutigen Sie, diese demokratie- und gesellschaftspolitisch so notwendige Vorgangsweise auch bei der zukünftigen Planung und Durchführung in allen Programmkategorien zu berücksichtigen.

Unsere Gratualtion werde ich zeitgleich dem Publikumsrat des ORF weiterleiten, mit der Aufforderung, sie im Programmausschuss zu behandeln. Weiters werden wir Bundesministerin Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek, Bundesminister Dr. Josef Ostermayer und den Leiter der Abteilung Medienangelegenheiten, Sektion V (Verfassungsdienst) des Bundeskanzleramts, Mag. Dr. Gerhard Hesse, davon in Kenntnis setzen.

Mit freundlichen Grüßen,

Musterbeschwerde: Diskussionsrunden im ORF

Mittwoch, 23. Juli 2014 - 12:00

Sehr geehrte Damen und Herren!

Der gesetzliche Programmauftrag des ORF umfasst gemäß § 4 Abs 1 Z 2 ORF-G die Förderung des Verständnisses für alle Fragen des demokratischen Zusammenlebens sowie gemäß § 4 Abs 1 Z 11 die angemessene Berücksichtigung der Anliegen der Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Gemäß 1.4.7 der Gestaltungsgrundsätze für alle Programmkategorien der Programmrichtlinien haben Angebote des ORF zum Abbau von Vorurteilen, insbesondere auf Grund von Geschlecht, beizutragen. Die Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache ist ebenfalls in den Programmrichtlinien verankert (1.4.12).

Diskussionsrunden, die vom ORF veranstaltet und übertragen werden, sollten aus diesen Gründen vier Voraussetzungen erfüllen:

  1. Diskussionsrunden sollten ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Frauen und Männern aufweisen, d.h. die Verteilung von Männern und Frauen in der Gesamtbevölkerung wiederspiegeln.
  2. Das Thema sollte auch unter dem Aspekt der Bedeutung für (unterschiedliche Gruppen von) Frauen und Männer(n) diskutiert werden.
  3. Es sollten vermehrt Frauen als Expertinnen eingeladen werden.
  4. Es sollte geschlechtergerechte Sprache verwendet werden.

All diese Bedingungen müssen erfüllt sein, damit der ORF seinem demokratie- und gleichstellungspolitischen Programmauftrag gerecht wird. Wie Frauen und Männer in Diskussionsrunden repräsentiert sind, welche Rollen ihnen dabei zugewiesen werden, ob Frauen mit Sprache (un)sichtbar gemacht werden und ob ein Thema auch unter seiner Bedeutung für Frauen und Männer diskutiert wird, hat massive Auswirkungen darauf, welchen Position und welche Chancen Frauen und Männer in einer Gesellschaft haben und haben werden.

Deshalb fordere ich Sie aus gegebenem Anlass dazu auf, die oben genannten Punkte bei der zukünftigen Planung und Abhaltung von Diskussionsrunden zu berücksichtigen.

Diese Aufforderung werde ich zeitgleich an den Publikumsrat des ORF weiterleiten, mit der Aufforderung, sie im Programmausschuss und im Beschwerdeausschuss zu behandeln. Weiters werden wir Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek, Bundesminister Dr. Josef Ostermayer und den Leiter der Abteilung Medienangelegenheiten, Sektion V (Verfassungsdienst) des Bundeskanzleramts, Mag. Dr. Gerhard Hesse, davon in Kenntnis setzen.

Mit freundlichen Grüßen,

Musterbrief: Sexismus in der Werbung

Mittwoch, 23. Juli 2014 - 11:45

Betrifft: Beschwerde gegen sexistische Werbemaßnahme

Sehr geehrte Damen und Herren!

Das unten beschriebene Sujet bedient Geschlechterklischees, die den Bemühungen um eine geschlechtergerechte Gesellschaft entgegenlaufen und die Menschenwürde der Frauen verletzt. Es widerspricht damit auch dem Ethik-Kodex der österreichischen Werbewirtschaft (s.a. Auszug auf der nächsten Seite).

Was beworben wurde:

Wann und wo ich auf die Werbemaßnahme gestoßen bin:

Beschreibung der Werbemaßnahme:

Sexismus ist keine Frage des Humors, der Ästhetik oder des persönlichen Geschmacks. Sexismus im Alltag, geschlechterspezifische Diskriminierungen sowie sexuelle Belästigung und Gewalt insbesondere gegen Frauen sind immer noch die Realität. Der Einfluss, den die Medien – und damit auch die Werbung – auf die Geschlechterrollenbilder in unseren Köpfen haben, ist nicht zu unterschätzen.
Ich fordere Sie daher zu einem sofortigen Stopp und Rückzug der beschriebenen Werbemaßnahme auf und möchte Sie dringend dazu anhalten, in Ihren Werbesujets auf sexistische Darstellungen zu verzichten und auf Geschlechtergerechtigkeit zu achten.

Ich werde meine Beschwerde auch beim Österreichischen Werberat sowie bei der Werbewatchgroup Wien einreichen.

Mit freundlichen Grüßen,

 

Auszug aus dem Ethik-Kodex des Österreichischen Werberates:

"Werbung darf nicht aufgrund des Geschlechts diskriminieren. Geschlechterdiskriminierende Werbung (sexistische Werbung) liegt insbesondere vor, wenn

a) Frauen oder Männer auf abwertende Weise dargestellt werden;

b) die Gleichwertigkeit der Geschlechter in Frage gestellt wird;

c) Unterwerfung oder Ausbeutung dargestellt oder zu verstehen gegeben wird, dass Gewalt oder Dominanzgebaren tolerierbar seien;

d) die Person in rein sexualisierter Funktion als Blickfang dargestellt wird, insbesondere dürfen keine bildlichen Darstellungen von nackten weiblichen oder männlichen Körpern ohne direkten inhaltlichen Zusammenhang zum beworbenen Produkt verwendet werden.

e) eine entwürdigende Darstellung von Sexualität vorliegt oder die Person auf ihre Sexualität reduziert wird;

f) Personen abgewertet werden, die nicht den vorherrschenden Vorstellungen über Zugehörigkeit zu einem Geschlecht entsprechen (z.B. intersexuelle, transgender Menschen).

g) Werbung für sexuelle Dienstleistungen darf, soweit sie rechtlich zulässig ist, die Würde von Menschen, insbesondere von SexdienstleisterInnen, KonsumentInnen oder PassantInnen, nicht verletzen. Körper und insbesondere weibliche oder männliche Sexualität dürfen nicht unangemessen dargestellt werden. Dabei ist auch besonders auf die Platzierung und das jeweilige Umfeld des Werbesujets zu achten.

h) Werbung darf Aufstachelung zum Hass, insbesondere aufgrund der unter „Ethik und Moral“, 1.2 genannten Kategorien, weder aufweisen, noch billigen, fördern oder verherrlichen. Werbung darf insbesondere kein Material enthalten, das, wenn es im jeweiligen Zusammenhang beurteilt wird, Gewalt gegen Frauen billigt, fördert oder verherrlicht oder Mädchen und Burschen in sexualisierter Weise darstellt."

http://www.werberat.at/layout/ETHIK_KODEX_4_2014.pdf (Stand: Juli 2014)