Kontraproduktiv
Montag, 23. August 2010Frauenring gegen die Idee der automatischen gemeinsamen Obsorge
Der Österreichische Frauenring (ÖFR), Dachorganisation aller österreichischen Frauenvereine, spricht sich entschieden gegen die Idee der automatischen gemeinsamen Obsorge von Justizministerin Mag.a Claudia Bandion-Ortner aus.
Die seit Monaten andauernde Diskussion darüber erweckt den Eindruck, dass es nicht in erster Linie um das Wohl der Kinder und der alleinerziehenden Mütter und Väter geht, sondern vielmehr um eine Wiedereinführung patriarchaler Rechte.
Eltern, die sich nach der Scheidung gemeinsam um ihre Kinder kümmern, brauchen kein Gesetz, sondern wirksame Unterstützung seitens der Jugendämter und Fürsorge-Institutionen. Das Gleiche gilt auch für Eltern, die miteinander im Streit sind und das auf Kosten des Wohlergehens ihrer Kinder austragen.
Eine automatische gemeinsame Obsorge in der angedachten Form hilft niemandem. Alleinerziehende haben in der Regel keine Lobby, keine Macht und wenig Geld. Dafür haben sie die Lasten eines vielfältigen Alltags mit Kindern zu tragen. Viele Entscheidungen sind zu treffen, die umso schwieriger werden, je schlechter die getrennten Eltern miteinander auskommen.
Der ÖFR würde alle Maßnahmen begrüßen, die es Eltern, die sich in einer Konfliktsituation befinden (und das sind die meisten, sonst würden sie sich ja nicht trennen!) ermöglichen, eine für die Kinder sinnvolle und friedliche gemeinsame Versorgung zu leisten. Ein über die Köpfe der AlleinerzieherInnen erlassenes Gesetzt ist hier fehl am Platz und würde am Ende nur zu Lasten der Kinder und der AlleinerzieherInnen gehen.
ExpertInnen, die seit Jahren mit AlleinerzieherInnen arbeiten wissen, dass es 3 Vätergruppen gibt: ~
- Eine große Gruppe jener Väter, die sich nach der Scheidung gar nicht um ihre Kinder kümmern.
- Väter, die sich gekränkt fühlen, sich rächend oder störend einbringen wollen und um die gemeinsame Obsorge kämpfen. (Diese Vätergruppe will die Justizministerin bedienen.)
- Und schließlich gibt es auch die erfreulich wachsende Gruppe der Väter, die sich wirklich um ihre Kinder kümmern wollen und dies auch tun, ganz ohne Vorschreibung.
Sinnvolle Maßnahmen können nur gemeinsam mit den Alleinerziehenden und den ExpertInnen erarbeitet werden.
Der ÖFR fordert Frau Justizministerin Bandion-Ortner daher dringend auf, im Interesse der Kinder und der AlleinerzieherInnen von der automatischen gemeinsamen Obsorge abzusehen.
Rückfragehinweis:
Österreichischer Frauenring, Dr. Christa Pölzlbauer, Tel.: 06767215290.

