Presse

Alarmierende Umfrage: Parteien müssen Fraueninteressen in den Mittelpunkt stellen

Sonntag, 18. Juni 2017 - 0:15

43 Prozent der wahlberechtigten Frauen in Österreich sehen keine Partei, die die Interessen von Frauen eindeutig vertreten würde – so das Ergebnis einer kürzlich veröffentlichten Market-Umfrage. „Dass vier von zehn Frauen in Österreich sich von keiner Partei vertreten fühlen, sollte von allen Parlamentsparteien als deutliches Warnsignal verstanden werden“, sagte Sonja Ablinger, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings.

Immer mehr Frauen arbeiten Teilzeit, immer mehr sind prekär beschäftigt. Working poor trifft immer mehr Frauen. Die Lohnschere schließt sich nicht und die Aufteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten kaum geändert. Die wachsende Armut bei Alleinerzieherinnen, die fehlenden Rechtsansprüche im Bereich der Vereinbarkeit machen deutlich, wie dringend der frauenpolitische Handlungsbedarf ist. Angesichts der ungleichen Geschlechterverhältnisse ist die Politik ganz besonders gefordert, die Frauenpolitik ins Zentrum der politischen Agenda zu stellen. Der Frauenring fordert seit vielen Jahren wiederholt die Schaffung eines eigenständigen Frauenministeriums mit umfassender Koordinierungskompetenz und entsprechenden Budgetmitteln.

„Das Ergebnis der Umfrage bestärkt uns in unseren Forderungen für ein neues Gleichstellungspaket, u.a ein Entgeltgleichheitsgesetz ohne Verschwiegenheitsklauseln, einen einklagbaren Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung, den dringend notwendigen Ausbau der Gewaltschutzeinrichtungen, Frauenhäuser und Frauenservicestellen, ein Unterhaltsgesetz, das Kinderarmut beseitigt. Wenn die einzelnen Parteien frauenpolitische Themen nicht endlich als Querschnittsmaterie ernst nehmen und vorantreiben, werden sich Frauen zunehmend von ihnen abwenden“, sagte Sonja Ablinger.

Angesichts dessen sind überparteiliche Vernetzungen wie der Frauenring wichtiger denn je, um Druck auf die Politik auszuüben. Initiativen wie das neue Frauenvolksbegehren zeigen zudem, dass in der Zivilgesellschaft großes Interesse daran besteht, frauenpolitische Themen wieder stärker auf die Agenda zu setzen.

Auch beim Frauenanteil in den Parlamentsklubs haben – abgesehen von den Grünen – sämtliche Parteien Nachholbedarf. Die Umsetzung verpflichtender Frauenquoten im Parlament sollten endlich in Angriff genommen werden. „Frausein ist kein Programm. Aber eine repräsentative Demokratie erfordert eine politische Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen – so auch von Frauen, die mehr als die Hälfte der österreichischen Bevölkerung ausmachen“, so Ablinger abschließend.

Sexismus im ORF

Donnerstag, 18. Mai 2017 - 17:15

Kommentar des Frauenrings zur ORF-Analyse des Rücktritts von Eva Glawischnig

„Sie weiß ganz genau, das wird der brutalste und härteste Wahlkampf 2017, da gilt es auch gegen Männer zu bestehen“, so kommentierte Hans Bürger, stv. Chefredakteur der ORF-TV-Information, den Rücktritts von Eva Glawischnig am Donnerstag.

Nach fast zehn Jahren als einzige Frau an der Spitze einer Partei in Österreich wird der Grünen Klubobfrau die Fähigkeit abgesprochen, in der politischen Auseinandersetzung mit Männern zu bestehen. Auch wenn Hans Bürger sich auf Twitter bereits für diese Aussage entschuldigt hat, die Analyse legt mehr als deutlich die Verhältnisse offen, die Glawischnig in ihrer Abschiedsrede so eindrücklich geschildert hat: An Frauen wird in der Politik (und nicht nur dort) immer noch ein anderer Maßstab angelegt – sowohl von politischen MitbewerberInnen als auch von JournalistInnen. Zusätzlich zu der ohnehin kräftezehrenden politischen Arbeit führen sie auch einen Kampf gegen sexistische Strukturen, gegen frauenfeindliche Untergriffe und eine politische Kultur, die eine zutiefst patriachale Geschichte hat und aktuell erneut von männlichen Führungsfiguren geprägt wird.

„Wenn es mehr Frauen in Führungspositionen gäbe, dann hätten wir auch eine andere politische Kultur“, sagte Ewa Glawischnig bei der Pressekonferenz am Donnerstag. Ein Befund, dem sich der Österreichische Frauenring anschließt: Sämtliche Parteien haben endlich dafür Verantwortung zu übernehmen, die politische Teilhabe von Frauen in ihren Reihen per Statut zu sichern.

Nicht zuletzt ist es die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, frauenpolitischen Themen endlich einen angemessenen Stellenwert in der Berichterstattung zu geben: So hat die Analyse von „Media Affairs“ bereits wiederholt aufgezeigt, dass Frauenpolitik in der ZIB 1 und der ZIB 2 kaum vorkommen – die Aussage des stv. Chefredakteurs der ORF-TV-Information wäre ein willkommener Anlass, diese redaktionelle Ausrichtung noch einmal zu überdenken.

20 Jahre Frauenvolksbegehren - Jetzt erst recht!

Dienstag, 18. April 2017 - 2:15

Vor 20 Jahren unterschrieben rund 645.000 Menschen das Frauenvolksbegehren. Frauen und Männer forderten mit ihrer Unterschrift die verfassungsmäßige Verankerung der Gleichstellung von Frauen und Männern sowie zahlreiche gesetzliche Maßnahmen, um die Benachteiligung von Frauen endlich zu beseitigen.

Wie steht es um die Umsetzung dieser Forderungen 20 Jahre danach? Was ist seither in Sachen Gleichberechtigung geschehen? Sind die gläsernen Decken gesprengt? Ist der Gender Pay Gap nur noch ein Mythos? Wir ziehen Bilanz und laden ein zu „exzessiven Utopien“.

Freitag, 28. April 2017, 10 Uhr

KosmosTheater
Siebensterngasse 42
1070 Wien

mit

Sonja Ablinger (Österreichischer Frauenring)
Teresa Havlicek (Frauenvolksbegehren neu)
Maria Rösslhumer (Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser)
Eva Rossmann (Mitinitiatorin des ersten Frauenvolksbegehrens)
Hannah Steiner (Netzwerk österreichischer Frauen- & Mädchenberatungsstellen)
Ulli Weish (Plattform 20000frauen)

 

Fotos: (c) Bettina Frenzel

Gegen den Mainstream – Auszeichnung für feministisches Engagement

Mittwoch, 5. April 2017 - 2:15

Der Österreichische Frauenring zeichnet Rechtsphilosophin Elisabeth Holzleithner, Filmemacherin Käthe Kratz und Rapperin Esra Özmen mit dem Frauenringpreis aus

Am Dienstagabend vergab der Österreichische Frauenring im Dachfoyer des Bundeskanzleramts zum fünften Mal den Frauenringpreis. Ausgezeichnet wurden Elisabeth Holzleithner, Professorin für Legal Gender Studies, die Filmemacherin und Autorin Käthe Kratz und die Rapperin Esra Özmen.

Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner eröffnete die Preisverleihung und würdigte das Schaffen ihrer Vorgängerin Sabine Oberhauser. "Ich bin angewiesen auf die Unterstützung der vielen Frauenorganisationen - meine Tür steht offen", kündigte die neue Frauenministerin im Rahmen ihrer Eröffnungsrede an.

„Ein Blick auf die Forderungen des Frauenvolksbegehrens vor 20 Jahren zeigt, wie aktuell es heute noch wäre. Die Bedingungen für emanzipatorische Politik sind schwieriger geworden – aus allen Ecken bläst der Wind entgegen“, beschrieb Sonja Ablinger, Vorsitzende des Frauenrings, die Widerstände gegen feministisches Engagement.

In den Würdigungsreden für die Preisträgerinnen wurden die vielfältigen Facetten des frauenpolitischen Engagements der Ausgezeichneten dargestellt. „Elisabeth Holzleithner ist eine produktive, eine hochgeschätzte und vielfach nachgefragte Wissenschaftlerin, die ihren Weg trotz allen Gegenwinds konsequent verfolgt“, sagte Laudator Professor Nikolaus Benke.

„Käthe Kratz ist eine der Pionierinnen der neuen Frauenbewegung in Österreich. Sie zeigt stets große Leidenschaft und Interesse für Menschen und ihre Geschichten“, beschrieb Laudatorin Andrea Hladky die Autorin und Regisseurin, die nicht zuletzt mit ihrem Fünfteiler „Lebenslinien“ als Filmemacherin Frauengeschichte geschrieben hat.

„Rap ist Widerstand“, bringt es Esra Özmen auf den Punkt. Die Künstlerin, die mit ihrem jüngeren Bruder Enes das Duo EsRap bildet, thematisiert  in ihren Songs auf unterschiedlichste Weise Diskriminierung und Marginalisierung. „Wir bewundern sie für ihren Mut und ihre Stärke. In der Jugendarbeit ist Esra ein wichtiges Vorbild für Mädchen und Burschen“, sagten die beiden Laudatorinnen Manuela Synek und Valbona Culjak. 

Zahlreiche Gäste aus Politik, Kunst, Wissenschaft und Vertreterinnen von dutzenden Frauenvereinen nahmen an der Festveranstaltung teil. Die Frauenringvorsitzende Sonja Ablinger freute sich über das Interesse an der Auszeichung für beeindruckende Frauen.

Für all jene, die bei der Veranstaltung nicht dabei sein konnten, stehen die Laudatio von Nikolaus Benke für Elisabeth Holzleithner und die Dankesrede von Käthe Kratz anbei als PDF-Dokumente zum Nachlesen bereit. Zudem hat der Fotograf Martin Juen die Veranstaltung fotografisch festgehalten.

Der Frauenring-Preis (c) Andy Wenzel
Frauenring-Preisträgerinnen 2017 mit BM Rendi-Wagner und ÖFR-Vorsitzender Sonja Ablinger
Frauenring-Preisverleihung 2017

Frauenpolitik muss aufgewertet werden

Montag, 6. März 2017 - 1:30

Frauenring fordert im Zuge der Nachbesetzung von Sabine Oberhausers Agenden ein eigenständiges Frauenministerium

„Wir müssen endlich unsere Sache selbst in die Hand nehmen und wenn notwendig mehr als nur kräftig auf den Tisch hauen.“ - Sabine Oberhauser

„Dieses Vermächtnis der viel zu früh verstorbenen Ministerin und leidenschaftlichen Politikerin Sabine Oberhauser sollte auch die Bundesregierung bei der Nachbesetzung des Amts der verstorbenen Gesundheits- und Frauenministerin leiten“, sagte Sonja Ablinger, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings.

Die Dachorganisation der österreichischen Frauenorganisationen erneuert im Zuge der notwendig gewordenen Nachbesetzung die Forderung nach Schaffung eines eigenen Frauenministeriums mit besser ausgestatteten Ressourcen. „Frauenpolitik ist Querschnittsmaterie. Nur ein eigenständiges Frauenministerium mit umfassender Koordinierungskompetenz und entsprechenden Budgetmitteln wird dieser Tatsache gerecht“, stellte Ablinger fest. Die Themen der Geschlechtergerechtigkeit müssen endlich wieder ins Zentrum der politischen Agenda rücken.

Es bestehe dringender frauenpolitischer Handlungsbedarf. Das zeige auch der kürzlich veröffentlichte Sozialbericht des Sozialministeriums: Frauen sind wesentlich stärker armutsgefährdet als Männer und am Arbeitsmarkt nach wie vor strukturell benachteiligt. „Der Sozialbericht macht deutlich, wie weit Österreich von einer tatsächlichen Gleichstellung der Geschlechter entfernt ist. Das muss als Handlungsaufforderung an die Regierung gelesen werden“, sagte Sonja Ablinger. Im Gleichstellungsranking des Weltwirtschaftsforums rutschte Österreich zuletzt um 15 Plätze auf Rang 52 ab.

Zusätzlich verpflichte auch die verfassungsrechtliche Verankerung der Gleichstellung der Geschlechter und die europarechtliche Festschreibung von Gender Mainstreaming die Bundesregierung, Frauenpolitik als Querschnittsmaterie zu verankern und aufzuwerten. „Wir müssen frauenpolitisch kräftig auf den Tisch hauen – nicht nur am Internationalen Frauentag, sondern tagtäglich und überall“, zitiert Ablinger die verstorbene Frauenpolitikerin Sabine Oberhauser abschließend.