Aktuelles

Sexismus im ORF

Donnerstag, 18. Mai 2017 - 17:15

Kommentar des Frauenrings zur ORF-Analyse des Rücktritts von Eva Glawischnig

„Sie weiß ganz genau, das wird der brutalste und härteste Wahlkampf 2017, da gilt es auch gegen Männer zu bestehen“, so kommentierte Hans Bürger, stv. Chefredakteur der ORF-TV-Information, den Rücktritts von Eva Glawischnig am Donnerstag.

Nach fast zehn Jahren als einzige Frau an der Spitze einer Partei in Österreich wird der Grünen Klubobfrau die Fähigkeit abgesprochen, in der politischen Auseinandersetzung mit Männern zu bestehen. Auch wenn Hans Bürger sich auf Twitter bereits für diese Aussage entschuldigt hat, die Analyse legt mehr als deutlich die Verhältnisse offen, die Glawischnig in ihrer Abschiedsrede so eindrücklich geschildert hat: An Frauen wird in der Politik (und nicht nur dort) immer noch ein anderer Maßstab angelegt – sowohl von politischen MitbewerberInnen als auch von JournalistInnen. Zusätzlich zu der ohnehin kräftezehrenden politischen Arbeit führen sie auch einen Kampf gegen sexistische Strukturen, gegen frauenfeindliche Untergriffe und eine politische Kultur, die eine zutiefst patriachale Geschichte hat und aktuell erneut von männlichen Führungsfiguren geprägt wird.

„Wenn es mehr Frauen in Führungspositionen gäbe, dann hätten wir auch eine andere politische Kultur“, sagte Ewa Glawischnig bei der Pressekonferenz am Donnerstag. Ein Befund, dem sich der Österreichische Frauenring anschließt: Sämtliche Parteien haben endlich dafür Verantwortung zu übernehmen, die politische Teilhabe von Frauen in ihren Reihen per Statut zu sichern.

Nicht zuletzt ist es die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, frauenpolitischen Themen endlich einen angemessenen Stellenwert in der Berichterstattung zu geben: So hat die Analyse von „Media Affairs“ bereits wiederholt aufgezeigt, dass Frauenpolitik in der ZIB 1 und der ZIB 2 kaum vorkommen – die Aussage des stv. Chefredakteurs der ORF-TV-Information wäre ein willkommener Anlass, diese redaktionelle Ausrichtung noch einmal zu überdenken.

ÖFR begrüßt Novelle der Insolvenzordnung

Freitag, 5. Mai 2017 - 15:30

Stellungnahme des Frauenrings

Derzeit liegt die geplante Novelle der Insolvenzordnung zur Begutachtung vor. Die diesbezüglichen gesetzlichen Regelungen betreffen gerade Frauen auf besondere Weise. Da gerade Personen mit geringem Einkommen – und dazu zählen in überproportional hohem Ausmaß Frauen –von der Novelle profitieren würden, spricht sich der Frauenring für die geplanten Änderungen aus.

Die gesamte Stellungnahme steht anbei als PDF zum Download zur Verfügung.

Zur Finanzierung von NGOs aus Mitteln des EU-Haushalts

Montag, 24. April 2017 - 18:00

Stellungnahme des ÖFR zum Bericht „Budgetary Control of financing NGOs from the EU Budget on NGO funding“

Am 25. April 2017 wird im Europaparlement über den Bericht „Budgetary Control of financing NGOs from the EU Budget on NGO funding“ abgestimmt, der sich für Änderungen bezüglich der Finanzierung von NGOs aus dem EU-Haushalt ausspricht. Der ÖFR unterstützt Forderungen nach mehr Transparenz; die im Bericht geäußerten Vorschläge stellen jedoch die Rechenschafts- und Finanzierungspraktiken von NGOs in Frage.

Der ÖFR ist dem Aufruf der Europäischen Frauenlobby gefolgt und hat sich daher in einem offenen Brief an die österreichischen Vertreter*innen im EU-Parlament gewendet. Der gesamte Brief steht anbei als PDF-Dokument zum Download zur Verfügung.

AGORA Feminist Summer School

Freitag, 21. April 2017 - 11:30

Start der Anmeldephase für AGORA 2017

AGORA, die feministische Sommerschule der Europäischen Frauenlobby (EWL) fordert auch dieses Jahr junge Feminist*innen dazu auf, sich für AGORA zu bewerben. 

AGORA bringt junge Feminist*innen aus ganz Europa zusammen. Durch eine 5-tägige partizipative Sommerschule schafft die EWL einen Raum, in dem junge selbst identifizierte Frauen (18-30 Jahre) eine Chance haben, zu reflektieren, Ideen auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen und sich mit anderen feministischen Aktivist*innen zu vernetzen. Die AGORA hat bereits 2015 und 2016 junge Frauen aus ganz Europa versammelt.

Anmeldeschluss für die AGORA 2017 ist der 9. Mai 2017 - alle Informationen und Bewerbungsunterlagen finden sich auf der Website der Europäischen Frauenlobby.

Petition zum Schutz der Freiheit von NGOs in Ungarn

Freitag, 21. April 2017 - 11:15

Aufruf zur Unterzeichnung und Verbreitung einer Petition

Der Vorstand der ungarischen Frauenlobby fordert alle Mitgliedsorganisationen der Europäischen Frauenlobby dazu auf, eine Petition zu unterzeichnen und zu teilen, die das Europäische Parlament auffordert, eine Resolution zum Schutz der Freiheit der NGOs in Ungarn zu beschließen.

Hier kann die Petition zum Schutz der Freiheit ungarischer NGOs unterzeichnet werden.

20 Jahre Frauenvolksbegehren - Jetzt erst recht!

Dienstag, 18. April 2017 - 2:15

Vor 20 Jahren unterschrieben rund 645.000 Menschen das Frauenvolksbegehren. Frauen und Männer forderten mit ihrer Unterschrift die verfassungsmäßige Verankerung der Gleichstellung von Frauen und Männern sowie zahlreiche gesetzliche Maßnahmen, um die Benachteiligung von Frauen endlich zu beseitigen.

Wie steht es um die Umsetzung dieser Forderungen 20 Jahre danach? Was ist seither in Sachen Gleichberechtigung geschehen? Sind die gläsernen Decken gesprengt? Ist der Gender Pay Gap nur noch ein Mythos? Wir ziehen Bilanz und laden ein zu „exzessiven Utopien“.

Freitag, 28. April 2017, 10 Uhr

KosmosTheater
Siebensterngasse 42
1070 Wien

mit

Sonja Ablinger (Österreichischer Frauenring)
Teresa Havlicek (Frauenvolksbegehren neu)
Maria Rösslhumer (Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser)
Eva Rossmann (Mitinitiatorin des ersten Frauenvolksbegehrens)
Hannah Steiner (Netzwerk österreichischer Frauen- & Mädchenberatungsstellen)
Ulli Weish (Plattform 20000frauen)

 

Fotos: (c) Bettina Frenzel

Gegen den Mainstream – Auszeichnung für feministisches Engagement

Mittwoch, 5. April 2017 - 2:15

Der Österreichische Frauenring zeichnet Rechtsphilosophin Elisabeth Holzleithner, Filmemacherin Käthe Kratz und Rapperin Esra Özmen mit dem Frauenringpreis aus

Am Dienstagabend vergab der Österreichische Frauenring im Dachfoyer des Bundeskanzleramts zum fünften Mal den Frauenringpreis. Ausgezeichnet wurden Elisabeth Holzleithner, Professorin für Legal Gender Studies, die Filmemacherin und Autorin Käthe Kratz und die Rapperin Esra Özmen.

Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner eröffnete die Preisverleihung und würdigte das Schaffen ihrer Vorgängerin Sabine Oberhauser. "Ich bin angewiesen auf die Unterstützung der vielen Frauenorganisationen - meine Tür steht offen", kündigte die neue Frauenministerin im Rahmen ihrer Eröffnungsrede an.

„Ein Blick auf die Forderungen des Frauenvolksbegehrens vor 20 Jahren zeigt, wie aktuell es heute noch wäre. Die Bedingungen für emanzipatorische Politik sind schwieriger geworden – aus allen Ecken bläst der Wind entgegen“, beschrieb Sonja Ablinger, Vorsitzende des Frauenrings, die Widerstände gegen feministisches Engagement.

In den Würdigungsreden für die Preisträgerinnen wurden die vielfältigen Facetten des frauenpolitischen Engagements der Ausgezeichneten dargestellt. „Elisabeth Holzleithner ist eine produktive, eine hochgeschätzte und vielfach nachgefragte Wissenschaftlerin, die ihren Weg trotz allen Gegenwinds konsequent verfolgt“, sagte Laudator Professor Nikolaus Benke.

„Käthe Kratz ist eine der Pionierinnen der neuen Frauenbewegung in Österreich. Sie zeigt stets große Leidenschaft und Interesse für Menschen und ihre Geschichten“, beschrieb Laudatorin Andrea Hladky die Autorin und Regisseurin, die nicht zuletzt mit ihrem Fünfteiler „Lebenslinien“ als Filmemacherin Frauengeschichte geschrieben hat.

„Rap ist Widerstand“, bringt es Esra Özmen auf den Punkt. Die Künstlerin, die mit ihrem jüngeren Bruder Enes das Duo EsRap bildet, thematisiert  in ihren Songs auf unterschiedlichste Weise Diskriminierung und Marginalisierung. „Wir bewundern sie für ihren Mut und ihre Stärke. In der Jugendarbeit ist Esra ein wichtiges Vorbild für Mädchen und Burschen“, sagten die beiden Laudatorinnen Manuela Synek und Valbona Culjak. 

Zahlreiche Gäste aus Politik, Kunst, Wissenschaft und Vertreterinnen von dutzenden Frauenvereinen nahmen an der Festveranstaltung teil. Die Frauenringvorsitzende Sonja Ablinger freute sich über das Interesse an der Auszeichung für beeindruckende Frauen.

Für all jene, die bei der Veranstaltung nicht dabei sein konnten, stehen die Laudatio von Nikolaus Benke für Elisabeth Holzleithner und die Dankesrede von Käthe Kratz anbei als PDF-Dokumente zum Nachlesen bereit. Zudem hat der Fotograf Martin Juen die Veranstaltung fotografisch festgehalten.

Der Frauenring-Preis (c) Andy Wenzel
Frauenring-Preisträgerinnen 2017 mit BM Rendi-Wagner und ÖFR-Vorsitzender Sonja Ablinger
Frauenring-Preisverleihung 2017

Kritische Wissenschaft fördern!

Freitag, 10. März 2017 - 12:30

Stellungnahme zu den geplanten Änderungen des Bachelor- und Mastercurriculums Publizistik- und Kommunikationswissenschaft

Mit großem Befremden haben wir von den geplanten Änderungen im neuen Bachelor-, und Masterstudienplan Publizistik und Kommunikationswissenschaft erfahren, von denen auch das Erweiterungscurriculum „Interdisziplinäre Sozialwissenschaft“ betroffen ist.

Die Curricula-Änderungen sehen nun die Streichung des aufbauenden FEM-Moduls vor – davon ist das Erweiterungscurriculum „Interdisziplinäre Sozialwissenschaft“ gleichermaßen betroffen.
Die geplante Abschaffung der Lehrveranstaltungen „Gruppendynamische Strategien“, „Teamarbeit“ und „interne Organisationskommunikation“ im Masterstudium halten wir für ebenso kritikwürdig.

Gerade in Zeiten, in denen Antifeminismus (wieder) zunehmend salonfähig wird und die Diskriminierung marginalisierter Gesellschaftsgruppen den öffentlichen Diskurs prägt, ist die vorgesehene Streichung von Lehrveranstaltungen mit feministischem Schwerpunkt bedenklich. Die Aufrechterhaltung, Förderung und der Ausbau feministischer Wissenschaft müssen zentrale Anliegen des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sein!

Als Dachorganisation österreichischer Frauenvereine spricht sich der Frauenring deshalb dezidiert gegen die geplanten Curricula-Änderungen im Bereich der feministischen Kommunikationswissenschaft aus. Wir fordern die Curricularkommission dazu auf kommunikations- und medienwissenschaftliche Geschlechterforschung in der bisherigen Vielfalt als fixen Bestandteil der Curricula beizubehalten.

Die gesamte ÖFR-Stellungnahme steht anbei als PDF-Dokument zum Download zur Verfügung.

Frauenpolitik muss aufgewertet werden

Montag, 6. März 2017 - 1:30

Frauenring fordert im Zuge der Nachbesetzung von Sabine Oberhausers Agenden ein eigenständiges Frauenministerium

„Wir müssen endlich unsere Sache selbst in die Hand nehmen und wenn notwendig mehr als nur kräftig auf den Tisch hauen.“ - Sabine Oberhauser

„Dieses Vermächtnis der viel zu früh verstorbenen Ministerin und leidenschaftlichen Politikerin Sabine Oberhauser sollte auch die Bundesregierung bei der Nachbesetzung des Amts der verstorbenen Gesundheits- und Frauenministerin leiten“, sagte Sonja Ablinger, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings.

Die Dachorganisation der österreichischen Frauenorganisationen erneuert im Zuge der notwendig gewordenen Nachbesetzung die Forderung nach Schaffung eines eigenen Frauenministeriums mit besser ausgestatteten Ressourcen. „Frauenpolitik ist Querschnittsmaterie. Nur ein eigenständiges Frauenministerium mit umfassender Koordinierungskompetenz und entsprechenden Budgetmitteln wird dieser Tatsache gerecht“, stellte Ablinger fest. Die Themen der Geschlechtergerechtigkeit müssen endlich wieder ins Zentrum der politischen Agenda rücken.

Es bestehe dringender frauenpolitischer Handlungsbedarf. Das zeige auch der kürzlich veröffentlichte Sozialbericht des Sozialministeriums: Frauen sind wesentlich stärker armutsgefährdet als Männer und am Arbeitsmarkt nach wie vor strukturell benachteiligt. „Der Sozialbericht macht deutlich, wie weit Österreich von einer tatsächlichen Gleichstellung der Geschlechter entfernt ist. Das muss als Handlungsaufforderung an die Regierung gelesen werden“, sagte Sonja Ablinger. Im Gleichstellungsranking des Weltwirtschaftsforums rutschte Österreich zuletzt um 15 Plätze auf Rang 52 ab.

Zusätzlich verpflichte auch die verfassungsrechtliche Verankerung der Gleichstellung der Geschlechter und die europarechtliche Festschreibung von Gender Mainstreaming die Bundesregierung, Frauenpolitik als Querschnittsmaterie zu verankern und aufzuwerten. „Wir müssen frauenpolitisch kräftig auf den Tisch hauen – nicht nur am Internationalen Frauentag, sondern tagtäglich und überall“, zitiert Ablinger die verstorbene Frauenpolitikerin Sabine Oberhauser abschließend.

Der Österreichische Frauenring trauert um Frauenministerin und ehemalige Frauenringvorsitzende Dr.in Sabine Oberhauser

Donnerstag, 23. Februar 2017 - 20:15

Nachruf auf Sabine Oberhauser

Der Tod von Sabine Oberhauser hat uns tief erschüttert. Österreich verliert eine engagierte und mutige Frauenpolitikerin. Dass sie den Kampf gegen den Krebs verloren hat, macht uns sehr betroffen. Unsere Gedanken sind bei ihrer Familie.

Mit Sabine Oberhauser geht eine erfahrene, leidenschaftliche und offene Politikerin von uns. Als sie im Juli des Vorjahres angelobt wurde, stellte sie in ihren ersten Interviews als Frauenministerin so treffend fest: „Politik ist Bohren harter Bretter. Bei Frauenpolitik kommt noch eine Stahlplatte hinzu." - “Frauen müssen lästig sein. Ich habe aber nicht vor, dabei verhärmt und verbiestert zu sein. Ich werde mir mein Lachen und mein freundliches Gesicht nicht verderben lassen.” Als engagierte Feministin und als warmherziger Mensch wird sie vielen in Erinnerung bleiben.

Sabine Oberhauser war von 2004 bis 2006 Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings und führte die Dachorganisation mit viel Elan und Engagement. „Weder Alibiaktionen noch Schönreden hilft den Frauen“, machte sie als Frauenringvorsitzende deutlich und forderte immer wieder konkrete Maßnahmen gegen Frauenarmut und Einkommensbenachteiligung. Sie machte Frauen Mut und war stets überzeugt, dass Frauen aktiv gegen Ungerechtigkeiten ankämpfen müssen:  „Wir müssen endlich unsere Sache selbst in die Hand nehmen und, wenn notwendig, mehr als nur kräftig auf den Tisch hauen. Frauen müssen endlich von der Dienerinnenrolle Abschied nehmen und Selbstbewusstsein zeigen. Nicht nur am Internationalen Frauentag, sondern tagtäglich und überall."

Sabine Oberhauser wird fehlen als starke Stimme für Frauenrechte, Solidarität, und Menschlichkeit. Wir werden sie als Politikerin, als Feministin, als Freundin sehr vermissen!

Im Namen des Österreichischen Frauenrings

Sonja Ablinger
Vorsitzende

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